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Aussteigergruppe für Partydrogen

21.08.2015

Partydrogen sind kein Garant für gute Stimmung, sondern können in die Abhängigkeit führen. Die Diakonie-Suchttherapeuten Gerold Hein und Rainer Wonke (rechts) bieten Auswege an. Foto: Bärbel Recker-Preuin

NOZ 21.8.2015

Georgsmarienhütte. Die Diakonie-Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bietet im Osnabrücker Land eine Aussteigergruppe für Drogenabhängige mit individueller Einzeltherapie an. Hilfe finden Betroffene in den Außenstellen Dissen, Georgsmarienhütte und Belm.

Die gute Nachricht: Die Zahl der Drogentoten ist bundesweit rückläufig. Die schlechte: Die Zahl der Abhängigen von illegalen Drogen nimmt zu. Die Drogenlandschaft verändert sich. „Der Junkie von früher ist fast ausgestorben – im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Dipl. Psychologe Gerold Hein. Er und seine Kollegen in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention reagieren darauf mit einem erweiterten Angebot. Zum Beispiel mit einer Aussteigergruppe für Drogenabhängige und individueller Einzeltherapie.

Mehr Durchhaltevermögen mit Drogen?

Gegen einen Joint am Freitagabend ist nichts einzuwenden, oder? Immer mehr junge Menschen verschaffen sich mit sogenannten Partydrogen die richtige Feierlaune und das Durchhaltevermögen für ein langes Wochenende. So war es auch bei Kevin* . Spaß haben, gut drauf sein, das ganze Wochenende lang Party feiern, vorglühen und der Stimmung ein bisschen auf die Sprünge helfen, das dann immer häufiger. Und dann: Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Depression.

Kevin hat sein Leben geändert

Einige Jahre hatte Kevin Cannabis konsumiert und sich nichts Schlimmes dabei gedacht. Mit einem Cocktail aus Amphetaminen und Cannabis im Blut wurde er schließlich erwischt, Führerschein weg, dann kam – zunächst gezwungenermaßen – der Weg zur Fachstelle in der Suchtberatung in Georgsmarienhütte. Um es vorwegzunehmen: Kevin ist seit mehr als einem Jahr in der Therapie und es geht ihm blendend. Seinen Führerschein hat er gerade zurück, er treibt Sport, hat neue Freunde und in ihrem Kreis machen die Feten doppelt so viel Spaß. Sie dauern zwar nicht so lange, aber am nächsten Tag sind alle fit. Cannabis ist nicht mehr das Thema seines Lebens.

Cannabis ist Flucht

Auch nicht mehr bei Sven*. Nach einem Schicksalsschlag und vier Monaten exzessivem Cannabis-Konsum war er abhängig. „Cannabis war für mich eine Flucht aus der Wahrheit“, sagt der heute 25-Jährige. Als er sich nach dem Führerscheinentzug auf die MPU vorbereiten wollte, rieten ihm die Diakonie-Mitarbeiter zur Therapie. Die schließt er in den nächsten Wochen völlig clean, mit Führerschein und neuem Arbeitsplatz ab. Allerdings: „Wenn man nicht wirklich aufhören will, bringt auch eine Therapie nichts“, sagt Sven mit der Erfahrung einiger Rückfälle.

Sucht ist Kopfsache

„Die wahre Sucht sitzt im Kopf“, sagt Gerold Hein, Leiter der Therapiegruppe für Abhängige illegaler Drogen in der Diakonie Fachberatung. Gelegentliches Kiffen mache zwar nicht gleich abhängig, wer aber regelmäßig und häufig Cannabis raucht oder Kokain, Amphetamin oder Ecstasy konsumiert, rutscht oft unbemerkt in die Sucht. „Heute ist alles gefragt, wonach lange getanzt werden kann, freitags Kokain zum Anheizen, sonntags Cannabis zum Runterfahren“, so Hein.

Partydrogen sind heute leicht finanzierbar

Wenn das Suchtmittel das Leben bestimmt und sich die Gedanken um die Beschaffung drehen, ist die Abhängigkeit da. Immer mehr junge Menschen sind laut Bericht der Bundes-Drogenbeauftragten Marlene Mortler an diesen Punkt angelangt. „Es ist die Verfügbarkeit der neuen Suchtmittel“, weiß Therapeut Rainer Wonke. Partydrogen sind finanzierbar, und leicht zu bekommen. Gut drauf sein, gehört heute zum guten Ton.

Begleiteter Therapieprozess

Häufig ist es dann ein äußerer Anlass, der abhängige oder suchtgefährdete Menschen zur Fachstelle der Suchtberatung bringt. Der Krach mit den Eltern oder dem Partner, die Ermahnung des Arbeitgebers oder – wie bei Kevin und Sven – der Führerscheinentzug, sind Gründe für einen Besuch in der Suchtambulanz. „Der Einzeltherapeut wird dann zum Manager des Therapieprozesses“, erläutert Rainer Wonke, Sozialpädagoge und erster Ansprechpartner für Aussteiger. Nach dem gründlichen Kennenlernen begleitet er jeden Einzelnen inhaltlich und formal durch die Therapie. Das heißt, er schlägt die therapeutischen Maßnahmen vor und regelt die Kostenübernahme. Die weitere, zumeist 1,5-jährige Therapiezeit, geschieht in enger Zusammenarbeit zwischen Einzel- und Gruppentherapeut.

Neue Perspektiven

„Wir haben kaum Therapieabbrüche“, berichtet Gerold Hein. Das bedeutet, dass alle zehn Teilnehmer zwischen 20 und 50 Jahren, die sich zurzeit in der Therapiegruppe für illegale Drogen treffen, auf dem besten Weg in ein cleanes Leben sind. „Unsere Teilnehmer erleben, dass viele Ressourcen frei gesetzt werden“, so die Suchttherapeuten. Clean sein bedeutet mehr Lebensfreude, mehr Lern- und Leistungsfähigkeit, größerer finanzieller Spielraum.

Auch bei den Partydrogen besteht die Gefahr von Rückfällen. Ein gelegentlicher Joint sei „Märchenstunde“, meint Gerold Hein. Drei Ratschläge gibt der Suchttherapeut seinen Teilnehmern mit in ein drogenfreies Leben: ehrlich sein, besonders zu sich selbst, Verantwortung für das eigene Leben übernehmen und clean bleiben, denn eine Abhängigkeit löst sich nicht auf und lässt sich erst recht nicht wegkiffen.

*Namen von der Redaktion geändert 

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