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Diakonische Suchthilfe setzt auf Cannabis-Regulierung

10.10.2016
Klaus Polack ist neuer Bundesvorsitzender des Gesamtverbandes für Suchthilfe. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Klaus Polack ist neuer Bundesvorsitzender des Gesamtverbandes für Suchthilfe. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Osnabrück. Gesetzliche Veränderungen im Umgang mit Cannabis sind dringend nötig, damit Konsumenten nicht in die Kriminalität abdriften. Diese Ansicht vertritt Klaus Polack, Geschäftsbereichsleiter Suchthilfe des Diakonischen Werkes in Stadt und Landkreis Osnabrück. Der 61-jährige Diplom Pädagoge ist außerdem Vorsitzender der ELAS, Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft für Suchtfragen in Niedersachsen. Vor Kurzem wurde Klaus Polack Bundesvorsitzender des Gesamtverbands für Suchthilfe (GVS).

Herr Polack, was ist die GVS?

Die GVS ist der Dachverband der diakonischen Suchthilfeeinrichtungen in Deutschland. Dazu gehören alle stationären und ambulanten Einrichtungen, sowie Selbsthilfegruppen. Der GVS vertritt die Interessen der diakonischen Suchthilfe, ist Bindeglied zur Politik und leistet Lobbyarbeit für Suchterkrankte und -gefährdete.

Der GVS veröffentlichte kürzlich ein Positionspapier zur Cannabispolitik. Warum ist der Cannabis-Konsum zurzeit das zentrale Thema Ihrer Arbeit? Ist Alkohol nicht mehr das Suchtmittel Nummer eins?

Die meisten Menschen, die zu uns in die Beratungsstellen kommen, leiden an einer Alkoholabhängigkeit oder -gefährdung. Allerdings ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Tendenz steigend. Statistisch haben 2,3 Millionen Menschen innerhalb der letzten zwölf Monate Cannabis konsumiert. Übrigens: Cannabis ist inzwischen überall verbreitet, auch im ländlichen Bereich.

Was ist gesundheitsgefährdend? Alkohol oder Cannabis?

Natürlich beides. Das Suchtgefährdungspotenzial ist ungefähr gleich. Bei neun Prozent derjenigen, die regelmäßig Cannabis rauchen, tritt eine Abhängigkeit ein. Wer regelmäßig konsumiert, läuft außerdem Gefahr, zu weiteren Drogen zu greifen, beispielsweise zu Amphetaminen.

Die GVS setzt sich für eine Reform im Umgang mit Cannabis ein. Befürworten Sie die Legalisierung der Droge?

Das Wort ‚Legalisierung‘ trifft es nicht. Wir möchten den Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis regulieren und den Verbraucherschutz sicherstellen. Die vollständige Legalisierung von Cannabis im Sinne einer völlig freien Verfügbarkeit lehnen wir ab.

Heißt das, dass wir demnächst Cannabis im Supermarkt bekommen?

Das ist gewiss nicht unsere Absicht. Unser Hauptanliegen ist die Entkriminalisierung der Konsumenten. Der private Anbau von Hanf ist gesetzlich verboten, gekauft wird die Droge auf dem Schwarzmarkt, jeder Joint ist illegal. Die gesetzlichen Bestimmungen treiben Jugendliche oft zu zweifelhaften Dealern. Niemand kann sicher sein, was er kauft und welche Substanzen beigemischt sind. Gefährdet sind besonders sehr junge Menschen. Nach dem Alter wird bei keinem Geschäft gefragt.

Wie sähe die Regulierung konkret aus?

Cannabis sollte in lizenzierten Betrieben angebaut werden, die bestimmte Auflagen und Qualitätskontrollen erfüllen. Nur in staatlich kontrollierten Läden, also Drugstores, sollte Cannabis verkauft werden. Das Personal muss geschult sein und erst ab dem 21. Lebensjahr soll Cannabis gekauft werden können. Für Cannabis sollte ein striktes Werbeverbot gelten. Unserer Meinung nach übrigens auch für Alkohol und Tabak. Nur so lässt sich eine eigenverantwortliche Konsumentscheidung fällen. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass sich der Konsum aller Suchtmittel negativ auf die erst im Alter von 20 Jahren abgeschlossene Hirnentwicklung auswirkt. Übrigens muss bei der Regulierung auch die Fahrtüchtigkeit nach Cannabiskonsum neu definiert werden.

Werden Sie nach einer Cannabis-Regulierung weniger Arbeit haben?

Unsere Arbeit beginnt mit der Prävention. Unser Ziel ist es, dass weniger konsumiert wird, das ist ganz klar. Aber auch, dass die Hemmschwelle in die Beratungsstellen niedriger wird. Wer es nicht schafft, risikoarm zu konsumieren, muss Hilfe bekommen.

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