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Digitaler Zugzwang: Die Folgen der Reizüberflutung

03.09.2016
E-Mails, SMS und soziale Netzwerke setzen den modernen Menschen einer permanenten Informationsflut aus, die Konzentrationsstörungen und Depressionen verursachen kann. Foto: ARTE France/ZED

E-Mails, SMS und soziale Netzwerke setzen den modernen Menschen einer permanenten Informationsflut aus, die Konzentrationsstörungen und Depressionen verursachen kann. Foto: ARTE France/ZED

Osnabrück. Die digitale Technik soll uns eigentlich das Leben erleichtern. Doch permanente Erreichbarkeit und ständige Informationsflut bringen auch Stress mit sich. Wie sich das auf unser Gehirn auswirkt und wie sich Menschen in guter Weise auf die digitale Welt einstellen können, zeigt der empfehlenswerte Film „Immer vernetzt. Wenn das Gehirn überfordert ist“ von Laurence Serfaty.

Es grenzt an Realsatire: Während der Filmemacher Laurence Serfaty mit Experten darüber spricht, wie das Gehirn auf dauerhafte Reizüberflutung reagiert und was sie sonst noch mit uns macht, klingelt hin und wieder ein Smartphone der Gesprächspartner. Irritierte Blicke und entschuldigendes Grinsen folgen, dann das Wegdrücken des Anrufs – einmal nimmt auch einer das Telefonat an. Er hat wohl gedacht, dass das aus dem Material für den Film herausgeschnitten wird.

Das wäre schade gewesen. Denn so verdeutlicht Laurence Serfaty die Diskrepanz, in der viele heute stecken. Kaum jemand scheint in der Lage zu sein, sich dem Informationsstrom und den Kommunikationsmöglichkeiten von Smartphone, Tablet und Computer zu entziehen. Umfragen zeigten, so heißt es im Film, dass nicht nur Berufstätige unter dem Druck leiden, immer erreichbar zu sein. Wer davon ausgeht, dass Jugendlichen das leichter fällt, weil sie als „Digital Natives“ aufwachsen, der ist offenbar auf dem Holzweg.

Druck und Missverständnisse

Junge Menschen klagen beispielsweise über den Druck, in sozialen Netzwerken schnell reagieren und immer antworten zu müssen. Die Folge könnten Missverständnisse sein, etwa dass man sein Gegenüber nicht mehr möge. So berichtet es Tobias von der Heyde aus seiner Beratungspraxis in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes von Stadt und Landkreis Osnabrück.

Sucht? Ist die Dauernutzung von Blogs, Instagram und Whatsapp tatsächlich eine Krankheit? Nein, laut Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) – einem System zur Klassifizierung psychischer Krankheiten – ist es das (noch) nicht. Aber von der Heyde spricht von einer Impulskontrollstörung – also einer als unangenehm empfundenen Anspannung , die durch impulsives Verhalten ausgelöst wird.

Permanent aufmerksam

Und wer kann sich schon davon frei machen, nicht auf sein Smartphone zu gucken, wenn ein Klingeln den Eingang einer neuen Nachricht vermerkt? Auf diese Weise beanspruchen die Geräte permanent unsere Aufmerksamkeit – nicht nur im Privatleben, sondern auch im Beruf. Manch einer fühlt sich unter Druck gesetzt, auch während des Feierabends reagieren zu müssen. Die Folge kann sein, dass Menschen sich nicht mehr entspannen können. Burnout und Depressionen können im schlimmsten Fall die Folgen sein.

Doch der Film macht auch deutlich, wie stark die Konzentrationsfähigkeit leidet. So belegt eine Studie mit Studierenden, dass die Aufmerksamkeitsspanne vor dem Computerbildschirm auf etwa 45 Sekunden gesunken ist. Laut einem Forschungsergebnis von 2004 lag die durchschnittliche Konzentrationsdauer der Computernutzer damals noch bei drei Minuten. Der Film legt zudem dar, dass Multitasking nicht möglich ist, wenn zwei oder mehr Handlungen ausgeübt werden sollen, bei denen die gleiche Hirnregion aktiviert wird. Das führt nicht nur zu Stress, sondern auch zu Fehlern.

„Verteufelung bringt ja nichts“

Was also tun? Sollten wir uns an die neue Realität anpassen – und können wir das überhaupt? Oder sollen wir besser auf das Recht pochen, auch mal offline zu sein? Bei der Diskussion darüber erinnert man sich unweigerlich daran, dass kurz nach der Erfindung des Autos die Nutzer vor den Gesundheitsgefahren aufgrund des Tempos gewarnt wurden.

Auch Tobias von der Heyde lacht darüber. „Verteufelung bringt ja nichts“, sagt der studierte Sozialarbeiter. Zumal digitale Technik aus unserem Alltag und Berufsleben nicht mehr wegzudenken sei. Deshalb gelte es, sich selbst zu beobachten, wann die Nutzung Stress verursache, ob man andere Hobbys vernachlässige oder sich von seinen Mitmenschen zurückziehe, um mehr online sein zu können.

Dann gilt es, für sich selbst Regeln aufzustellen. Oder auch mit dem Arbeitgeber zu sprechen, wie eine Regelung für Notfälle getroffen werden kann. „Das kann auch über den Betriebsrat laufen“, sagt von der Heyde. Eltern rät er, im Gespräch mit ihren Kindern zu bleiben und sinnvolle Regeln zu erarbeiten, an die sich auch die Eltern halten. Zudem könne es helfen, sich mit anderen Eltern auszutauschen, um beispielsweise Regeln für den Freundeskreis der Kinder aufzustellen. Auch dabei können Beratungsstellen unterstützen.

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