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Vortrag "Süchte im Alter"

08.04.2016
Diakonin Veronika Schulte vom Diakonischen Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück gGmb hielt in Hasbergen einen Vortrag über „Sucht im Alter“.

Diakonin Veronika Schulte vom Diakonischen Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück gGmb hielt in Hasbergen einen Vortrag über „Sucht im Alter“.

NOZ 7.4.2016

Hasbergen. Über „Süchte im Alter“ sprach jetzt die Sozialpädagogin Veronika Schulte vom Diakonischen Werk auf Einladung des Frauenabendkreises und der Gaster Runde im evangelisch-lutherischen Gemeindezentrum in Hasbergen.

Knapp vierzig Senioren waren ins Gemeindehaus an der Marthin-Luther-Straße gekommen, um sich von der Sozialpädagogin Veronika Schulte informieren zu lassen. Diese arbeitet in der Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes in Stadt und Landkreis Osnabrück am Standort Georgsmarienhütte. Zunächst erklärte die Fachfrau, warum Süchte bei Älteren zunehmend ein Thema werden: „Die geburtenstarken Jahrgänge kommen ins Alter, und die Lebenserwartung steigt“, so Schulte. Heute sei ein Viertel der Bevölkerung bereits über 60 Jahre alt. Und in dieser Altersgruppe sei bei 26,9 Prozent der Männer und 7,7 Prozent der Frauen ein riskanter Alkoholkonsum festgestellt worden. Aber auch Medikamente seien oft ein Thema, stellten ihre Zuhörer fest, die den Vortrag ebenso interessiert wie lebhaft verfolgten.

Besonderheiten der älteren Süchtigen
Bei Süchtigen im Alter unterschieden Experten zwischen „Early Onset“, Menschen die ihren Konsum „ins Alter mitnehmen“ und „late onset“, sprich Menschen, die beispielsweise erst im Alter anfangen zu trinken, berichtete Schulte. Was viele nicht wüssten: „Im Alter genügt oft eine kleinere Menge Alkohol“, so die Fachfrau. Denn die Abbauprozesse von Alkohol im Körper verlangsamten sich im Alter.

Verschriebene Medikamente prüfen lassen
Auch Medikamenten-Missbrauch war ein Thema in Hasbergen: Oft würden Medikamente über lange Jahre hinweg verschrieben, ohne die regelmäßige Prüfung, ob sie auch notwendig seien, erklärte Schulte, und viele Zuhörer nickten zustimmend. Besonders schwierig seien Benzodiazepine, die als angstlösende, sedierend und schlaffördernd wirkende Arzneistoffe eingesetzt werden: Obwohl sie nur kurzzeitig verschrieben werden sollten und ein hohes Risiko der Abhängigkeit bestehe, würden sie oft länger eingenommen werden, so Schulte. „Ein Arztwechsel ist manchmal sinnvoll“, erklärte daraufhin ein Zuhörer aus eigener Erfahrung: Ein neuer Arzt habe sich „die Oma länger angeschaut und einige Pillen abgesetzt“, so der Hasberger: „Und schwupps war die Oma wieder fit.“

Der Wunsch Medikamente zu nehmen
Allerdings würden viele Menschen Medikamente auch von sich aus nehmen wollen, erklärte Schulte. Dann wurde es lebhaft: Eine Zuhörerin warf vorwurfsvoll ein: „Und sie werden darin beim Arzt unterstützt!“ Eine andere Zuhörerin fand: „Besonders schlimm ist die Reklame für Medikamente im Fernsehen.“ Und eine weitere Zuhörerin berichtete: „Wenn der Arzt die Medikamente nicht verschreibt, gehen die Leute zum anderen.“ Eine andere erklärte darauf hin: „Ich weiß, dass ein Arzt dann Plazebos verschreibt.“

Gefahren der Sucht und warum aufhören lohnt
Zu den Gefahren der Sucht im Alter zählte Schulte anschließend unter anderem ein erhöhtes Sturzrisiko auf. Vermehrte Stürze brächten so manche Familienangehörigen dazu, als Ursache dafür eine mögliche Sucht in Betracht zu ziehen. Außerdem käme es sowohl bei der Einnahme verschiedener Medikamente als auch in Kombination mit Alkohol zu unliebsamen Wechselwirkungen. „Seien sie wachsam was sie einnehmen, und fragen sie ihren Arzt, warum sie die Medikamente nehmen“, riet Schulte, die zudem betonte: „Es ist nie zu spät für Veränderungen, egal wie alt wir sind.“ Hier setze das Behandlungsangebot „klar aktiv“ der Diakonie an, so Schulte. Außerdem habe sie oft erlebt, dass auch für Ältere das Leben „einfach lebenswerter“ werde, wenn sie beispielsweise aufhörten zu trinken.

Behandlungsangebot extra für Ältere
„Klar aktiv“ richtete sich extra an Senioren – und zwar sowohl an Betroffene und Angehörige, aber auch alle, die sich ohne konkreten Anlass über das Thema informieren möchten. „Mir ist es wichtig, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Es gibt viel Abhängigkeit im Alter“, betonte Schulte. Doch das Thema „Sucht im Alter“ sei in weiten Teilen der Gesellschaft zu wenig bekannt. Offensichtlich nicht nur das: „Ich höre zum ersten Mal, dass es das gibt, sie machen zu wenig Werbung“, erklärte ein Zuhörer aus Gaste als Schulte das Beratungsangebot vorstellte.

Wie tabuisiert das Thema ist, bestätigte ein anderer Zuhörer indirekt: Ein Freund habe mit folgendem Argument abgelehnt, zum Vortrag zu gehen: „Nachher denkt noch einer, ich habe es nötig!“ Monika Idczakowsky hingegen berichtete nach dem Vortrag: „Ich fand ihn informativ und auch gut erklärt, für diejenigen, die sich noch nicht mit dem Thema befasst haben.“ Egon Driemeyer nahm mit nach Hause: „Wie wichtig die soziale Struktur und die Vernetzung sind, die spielen im Alter eine wesentliche Rolle.“

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