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Wenn zu Hause Geborgenheit fehlt

13.01.2015
Wenn zu Hause Geborgenheit fehlt

Yasmin Akyildiz untersucht in ihrem Studium, was Abhängige auf die Straße treibt – obwohl sie eigentlich eine Wohnung haben. Foto: Markus Pöhlking

NOZ 13.1.2015

Osnabrück. Es gibt Menschen, die bei der Wohnungssuche nicht besonders wählerisch sein können. Wer am Rand der Gesellschaft steht, ist manchmal froh, überhaupt eine Bleibe zu finden.


Auch wenn es darin erschreckend aussieht: Einblicke in prekäre Wohnverhältnisse und ihre Folgen liefert am Sonntag die Veranstaltung „Ein Leben auf der Straße – trotz Dach über dem Kopf“ im Café Connection. Das studentische Projekt knüpft dabei auch an aktuelle Entwicklungen in der Stadt an: Im Fokus stehen unter anderem Akteure der Drogenszene in der Johannisstraße.

Der Kopf hinter der Veranstaltung ist Yasmin Akyildiz. Die 23-Jährige studiert Soziale Arbeit in Enschede, begleitend zum Studium arbeitet sie im Café Connection. Die von der Diakonie betriebene Einrichtung an der Hermannstraße ist eine Anlaufstelle für suchtgefährdete oder -erkrankte Menschen. Also für solche, die häufig dem sozialen Rand zugerechnet werden.

„Einer meiner Schwerpunkte im Studium liegt auf kultureller Teilhabe und Menschenrechten“, erzählt Akyildiz. Und verweist auf Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Unter anderem heißt es darin, jeder Mensch habe das Recht auf einen Lebensstandard, der das persönliche Wohlergehen gewährleiste – auch in puncto Wohnraum.

Aus persönlicher Erfahrung weiß Akyildiz, dass diese Forderung manchmal nur ein frommer Wunsch ist: „Ich habe mal den Umzug eines Klienten begleitet“, erinnert sie sich. „In der neuen Wohnung war ich schockiert, dass so etwas möglich ist.“ Das Treppenhaus marode, die Haustür nicht verschließbar. Zwielichtige Mitbewohner, Blutspuren, Dreck, Schimmel, dazu Dunkelheit und Enge – alles andere als ein Ort zum Wohlfühlen. Und alles andere als ein Einzelfall: „Wir beobachten bei unserer Arbeit immer wieder, dass Menschen zwar eigentlich eine Wohnung haben, aber so viel Zeit wie möglich auf der Straße verbringen. Einfach, um den Zuständen zu Hause zu entfliehen“, so Akyildiz.

Gerade bei Suchterkrankten führe häufig eins zum anderen: Zur fehlenden sozialen Perspektive komme die Abwesenheit eines Ortes, der Geborgenheit oder Rückzugsmöglichkeiten biete. In Addition führe dies die Menschen häufig genug auf die Straße: „Das Phänomen führt dann zu Szenetreffpunkten wie derzeit am Salzmarkt und in der Johannisstraße“, erklärt Akyildiz. „Den Leuten fehlt einfach ein Ort, wo sie sein können.“

Mit ihrem Projekt, das sie im Rahmen ihres Studiums durchführt, möchte Akyildiz vor allem ein Forum für Begegnung und Austausch schaffen. „Neben Angehörigen der Szene in der Johannisstraße habe ich explizit auch die Anwohner jeder Bereiche eingeladen, um an der Veranstaltung teilzunehmen.“ Gespräche sollen Akzeptanz für die Situation der jeweils anderen Seite schaffen, zudem soll für Lebenswege und -wirklichkeiten der Süchtigen sensibilisiert werden: Auf Schautafeln hat Akyildiz die Biografien von Abhängigen aus Osnabrück samt ihrer Wünsche und Hoffnungen dokumentiert. Ein gemeinsam mit Kommilitonen gedrehter Film zeigt einen Tag aus dem Leben eines Menschen auf der Straße.

Beginn der etwa dreistündigen Veranstaltung im Café Connection (Hermannstraße 1) ist am Sonntag um 18 Uhr. Kaffee und Kuchen gibt es während der Zeit kostenlos.

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