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Zehn Jahre KlarAktiv der Diakonie-Suchtberatung

16.11.2016
Freuen sich über zehn erfolgreiche Jahre von KlarAktiv für Senioren: Beate Plöger (links) und Veronika Schulte von der Diakonie Suchtberatung. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Freuen sich über zehn erfolgreiche Jahre von KlarAktiv für Senioren: Beate Plöger (links) und Veronika Schulte von der Diakonie Suchtberatung. Foto: Bärbel Recker-Preuin

Georgsmarienhütte. „Es ist unsere Aufgabe immer wieder etwas Neues in Gang zu setzen, gerade für ältere Menschen“, sagt Beate Plöger. Die Therapeutin der Diakonie Suchtberatung in GMHütte spricht von „KlarAktiv“. Unter diesem Namen läuft seit zehn Jahren ein Therapieprogramm für Menschen im fortgeschrittenen Alter. KlarAktiv ist Weg und Ziel für ein Leben mit klarem Kopf in einer aktiven Lebensphase. KlarAktiv feiert am Donnerstag, 17. November, Jubiläum.

Donnerstagvormittag im H2O, dem alkoholfreien Treff am Kasinopark: Kaffee, Tee und Gebäck stehen auf dem Tisch, drum herum sitzen gut gelaunte Menschen jenseits der 60. Es wird über Gott und die Welt geredet, Pläne werden geschmiedet, Verabredungen getroffen, vor allem wird viel gelacht. Obwohl an diesem Tag die NOZ mit dabei sein darf, nimmt niemand ein Blatt vor den Mund, wenn es um das Problem geht, das für alle der Grund des Treffens ist: die Abhängigkeit, die Sucht nach Alkohol oder Tabletten. „Wir sprechen offen, weil wir anderen Senioren Mut machen möchten, ihr Leben zu verändern“, sagt Petra aus Bad Rothenfelde. (die Namen der Teilnehmer wurden geändert). „Für eine Suchttherapie ist es nämlich nie zu spät, erst recht nicht im Alter“, bestätigen die Therapeutinnen Beate Plöger und Veronika Schulte.

Zehn Jahre KlarAktiv

Die Gründung von KlarAktiv vor zehn Jahren sei ein Versuch gewesen, älteren Menschen zu helfen. Denn Menschen im Rentenalter habe die Suchttherapie damals kaum im Blick gehabt, berichtet Beate Plöger, die „Frau der ersten Stunde“ bei KlarAktiv. Gemäß der demografischen Entwicklung wird Sucht älter, das heißt: Immer mehr ältere Menschen sind suchtmittelabhängig. Wenn beruflich und privat Druck und Leistungsanforderung wegfallen, die Kinder aus dem Haus sind und womöglich der Lebenspartner stirbt, ist die Flucht in Alkohol oder Tabletten nicht weit.

Vier Selbsthilfegruppen

KlarAktiv steuert seit zehn Jahren dagegen, mit Erfolg. Es gibt eine Therapiegruppe mit 10 bis 12 Teilnehmern, die bis zu anderthalb Jahre dazu gehören. Aus dieser Gruppe entwickelten sich im Laufe der Jahre bereits vier Selbsthilfegruppen mit jeweils ebenfalls etwa zehn Mitgliedern. Die Altersspanne der Teilnehmer ist groß, sie liegt zwischen 50 bis 80 Jahren. Somit gibt es immer mehr Multiplikatoren, die sich für ein selbstbestimmtes Leben ohne Abhängigkeit einsetzen. KlarAktiv geht für sie auch nach der Therapie nie zu Ende.

Abhängigkeit ist ein schleichender Prozess

Ein Beispiel ist Bernhard: Er gründete 2011 nach seiner Zeit in der ambulanten Therapiegruppe seine Selbsthilfegruppe KlarAktiv. „Mein Weg in die Alkoholabhängigkeit war wohl ein schleichender Prozess – Vorruhestand, keine Kontakte zu Kollegen und Kunden, kein Stress, mehr Freizeit. Als dann der Führerschein weg war, wurde es höchste Zeit“, sagt der 69-Jährige. Bernhard spricht auch von seinem Rückfall. Danach habe ihn seine Selbsthilfegruppe wieder mit offenen Armen aufgenommen, sie ist sein Anker. „Wir wissen, dass wir uns auch nachts anrufen dürfen. Wir geben uns gegenseitig Kraft“, versichert der Bissendorfer und ergänzt: „Das Leben ohne Alkohol bietet so viel mehr Qualität.“

Selbsthilfe als Anker

Vor etwa acht Jahren kam Petra zu KlarAktiv, weil „ich nicht mehr auf die Enkelkinder aufpassen sollte“, erzählt die 64-Jährige vom Tiefpunkt ihres Lebens. Nach der Therapie wurde sie Mitglied in der ersten Selbsthilfegruppe. „Wir sind wie eine Familie, wenn sich die KlarAktiv-Gruppe trifft, gibt es keinen anderen Termin.“

Anders ist es bei Otto. Er ist zum wiederholten Mal in der Suchtherapie, seit gut einem Jahr wieder bei KlarAktiv und seitdem trocken. Dieses Mal schafft er es vielleicht auch wieder nicht, so seine Einschätzung. Von Selbsthilfegruppen hält er nicht viel. „Uns geht es zurzeit richtig gut, aber damit sendet der Körper falsche Signale, die Sucht bleibt“, bestätigt Petra seine Skepsis.

Sucht ist Isolation

Bevor sich Petra verabschiedet, um die Enkelkinder abzuholen, werden die nächsten Termine abgestimmt und die Jubiläumsfeier besprochen. Otto räumt schon einmal die Kaffeekannen zusammen und ärgert sich darüber, dass vor dem H2O schon wieder Laub liegt, obwohl er gerade gefegt hat. Der 63-Jährige fand nämlich bei der Diakonie Suchtberatung einen Minijob als Hausmeister, und der macht ihm richtig Spaß. Nach vielen Jahren der Einsamkeit bekommt er wieder Lob und Anerkennung für seine Arbeit. „Vielleicht komme ich doch mal in die Selbsthilfegruppe“, meint er zum Abschied, worauf ihm seine Therapeutin Veronika Schulte ihr strahlendstes Lächeln schenkt.

Jubiläumsfeier am 17.November

Die Jubiläumsfeier „10 Jahre KlarAktiv“ findet statt am Donnerstag, 17. November, um 9 Uhr in der Diakonie Fachstelle, Am Kasinopark 13. Im Mittelpunkt steht ein Vortrag von Markus Züger, Facharzt für Psychotherapie, unter dem Titel „Lebensqualität und neue Chancen durch zufriedene Abstinenz“. Eingeladen sind aktive und ehemalige Teilnehmer, Angehörige und alle Interessierte mit oder ohne Suchtgefährdung.

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