NOZ vom 09.11.2011

Foto: Neue Osnabrücker Zeitung

Rauchen in der Schwangerschaft: Präventionsoffensive richtet sich an werdende Mütter und stillende Frauen

Melle. Mit Flyern und Fragebögen, die jetzt in gynäkologischen Praxen in Stadt-und Landkreis Osnabrück von Bramsche bis Bad Iburg ausliegen, ist das Diakonische Werk in Melle in eine weitere Präventionsoffensive gestartet: Sie richtet sich an schwangere und stillende Frauen, die Alkohol trinken, Zigaretten rauchen oder andere Suchtmittel zu sich nehmen und deshalb noch lange nicht abhängig sein müssen, aber auf jeden Fall mit ihrem Konsum dem ungeborenen Kind und Neugeborenen schaden

„Wir sind stolz und glücklich, als einer von sieben Trägern bundesweit den Zuschlag bekommen zu haben“, freute sich der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Melle Heiko Grube. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hatte einen neuen Förderschwerpunkt zu innovativen Präventionskonzepten in Schwangerschaft und Stillzeit initiiert: Zielgruppe der Projekte sind Frauen, bei denen der Konsum von Tabak, Alkohol oder Drogen bereits bekannt ist oder bei denen von einem hohen Risiko ausgegangen werden kann, wie dem Drogenbericht vom Mai dieses Jahres zu entnehmen ist.

„Kinder mit Behinderungen auf die Welt bringen löst so viel Leid in den Familien aus. Tausende von Fällen gibt es mit Babys, die unter dem FAS-Syndrom, dem fetalen Alkoholsyndrom, leiden und später aufgrund falscher Diagnosen nicht richtig behandelt werden. Wir wollen mit unserem Präventionsansatz vor allem mit Gynäkologen und Hebammen in der Stadt und dem Landkreis Osnabrück zusammenarbeiten und unsere Beratungskompetenz dort zur Verfügung stellen, wir setzen aber vor allem auf andere Beratungsstellen und die Hebammen“, erläuterten Grube und Petra Buderath, die Leiterin des Integrativen Beratungszentrums im Diakonischen Werk Melle.

Dort geht es schon lange Hand in Hand: Hier ist die Schwangerenberatungsstelle ebenso wie die Suchtberatungs- und -behandlungstelle angesiedelt, damit ist der Zugang zur Zielgruppe ebenso wie Fachkompetenz vorhanden – sicher ein Grund mit, dass das Diakonische Werk den Zuschlag bekommen habe, so Grube.

Das Projekt „Neue Präventionsansätze zur Vermeidung und Reduzierung von Suchtmittelkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit“ ist auf ein Jahr befristet und läuft noch bis zum 30. Juni 2012. Auch wenn die Schädlichkeit bekannt ist – Erhebungen und Untersuchungen, die sich mit dem Suchtmittelkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit beschäftigen, gibt es kaum. Deshalb hat das Diakonische Werk einen speziellen Fragebogen konzipiert, der in den Arztpraxen zusammen mit den Flyern über das neue Beratungsangebot ausliegt und anonym beantwortet werden kann.

Die Vollzeitstelle, die mit den Fördermitteln bezahlt wird, hat die 28-jährige Monika Gramke, Diplom-Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin, angetreten. Vorher war sie im Frauenhaus in Espelkamp tätig, wo sie auch die Suchtproblematiken vieler Frauen mitbekommen hat.

Monika Gramke ist jetzt abrufbereit, um die Frauen dort abzuholen, wo sie sind, und dort zu beraten, wo sie wohnen. Die freiwillige Beratung kann allein oder mit Partnern, aber auch in Gruppen stattfinden.