NOZ - 27.5.2011

Foto: dpa
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12- und 13-Jährige trinken zunehmend

Der erste Rausch kommt immer früher – Verhaltenstipps für Eltern

Georgsmarienhütte. Einerseits: Laut Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung nimmt der Konsum von Alkohol unter Jugendlichen ab. Andererseits: Es gibt unter jungen Menschen immer mehr Fälle des „Komasaufens“. Was also können Eltern tun, um ihre Kinder vor einer Sucht zu schützen?, lautete die Frage der Veranstaltung „Der erste Rausch – Katastrophe oder Bagatelle?“.

Der Präventionsrat Georgsmarienhütte hatte zur bundesweiten Aktionswoche „Alkohol? Weniger ist besser!“ eingeladen. Als Experten traten Jugendpflegerin Martina Möllenkamp (Stadt GMHütte), Georg Weitekämper (Fachstelle Sucht der Diakonie GMHütte), Wilfried Bury (Polizei), Rainer Behrens (Jugendarbeit der Awo) sowie Moderator Torsten Dimek vom Präventionsrat au

Zentraler Bestandteil des Abends war eine Präsentation von Weitekämper. Bis zum Alter von zwölf Jahren hat bereits die Hälfte der Mädchen und Jungen erste Erfahrungen mit Alkohol gemacht. Bis zum Alter von 16 Jahren sind es fast alle (97 Prozent). Dass zunehmend jüngere Menschen Alkohol trinken, bestätigte Behrens aus seinem Alltag: „Wir treffen vermehrt 12- und 13-Jährige an.“ Haben wir es also mit einer Katastrophe oder einer Bagatelle zu tun? Weder in die eine noch in die andere Richtung wollten sich die Experten festlegen.

Vorbildfunktion
Vielmehr ging es der Runde darum, die anwesenden Eltern über mögliche Anhaltspunkte einer Suchtgefahr aufzuklären und Verhaltenstipps mit auf den Weg zu geben. Allerdings: „Es gibt keinen Stil von Erziehung, der Sicherheit gibt. Wir können aber etwas dafür tun, um das Risiko für unsere Kinder gering zu halten“, sagte Weitekämper. Ein Hinweis des Suchtberaters lautete, dass ein früher Kontakt zu Alkohol die Gefahr von Risikokonsum oder sogar Sucht vergrößere. Eltern sollten für ihre Kinder Interesse zeigen, zugleich „klare Grenzen setzen“ und sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst werden. Stelle man fest, dass der Nachwuchs einen ersten Rausch erlebt habe, sollte man weder mit Vorwürfen noch mit Strafen reagieren, sondern ein ruhiges Gespräch suchen, bei dem man das eigene Kind erzählen lasse, lautete die Empfehlung des Referenten.

Aus der Praxis berichtete Bury: Die Polizei bringe häufiger betrunkene Kinder nach Hause und stelle fest, dass manche Eltern dies gleichgültig zur Kenntnis nähmen. Wünschenswert wäre es daher, dass der Besuch von Beratungsstellen in einigen Fällen gesetzlich vorgeschrieben sei. Gerade die „Schwellenangst“ von Müttern und Vätern sei ein Problem, unterstrich Weitekämper: „Wir wünschen uns, dass Eltern offen sind und den Kontakt zu einer Beratungsstelle nicht als persönliches Versagen betrachten.“