NOZ - 9.11.11

- Das Leben von Eva Maria Barth ist aufgeklart. In der Suchtberatungsstelle berichtete und las sie aus ihrem Leben an der Seite eines suchtkranken Partners. Foto: privat
Lesung in der Diakonie-Suchtberatungsstelle
Das Martyrium, die Sucht nüchtern zu erleben
Südkreis/Georgsmarienhütte. „Angehörige leiden mehr unter der Sucht als die Erkrankten, denn die Angehörigen erleben sie ja klar und nüchtern“, sagt Suchttherapeutin Christiane Weitzel. Viele Angehörige wissen das, guter Rat wird trotzdem selten angenommen. Angehörige wollen helfen und geben sich selbst dabei auf. So wie Eva Maria Barth. Die Autorin sprach in der Diakonie-Suchtberatungsstelle vor Angehörigen und direkt Betroffenen. Ihre authentischen Berichte konnten kaum aufrüttelnder und zugleich einfühlsamer sein.
„Das könnte mein Leben sein“ und „Ich habe mich selbst wiedergefunden“ – für die Angehörigen von Suchtkranken war die Lesung von Eva Maria Barth ein Auszug ihrer eigenen Erfahrungen. Einige von ihnen sind noch mittendrin im Martyrium, andere genießen bereits wie Eva Maria Barth ihr neues aufgeklartes Leben.
„Aufgeklart“, unter diesem Titel erschien im Frühjahr das erste Buch der Autorin aus Minden. In eindringlichen, sanften und manchmal auch derben Worten berichtet Eva Maria Barth von ihrer Zeit „zwischen den trockenen Phasen“. Laura und Paul sind die Hauptpersonen in „aufgeklart“, aber es ist das Leben der Eva Maria Barth und ihres alkoholkranken Mannes.
„Das Buch ist kein Fingerzeig auf meinen suchtkranken Mann, sondern auf mich und meinen Fehler, viel zu spät gehandelt zu haben“, sagt Eva Maria Barth.
Eindrucksvoll schildert sie ihre 27-jährige Co-Abhängigkeit, davon nur drei Jahre in der Exzessphase ihres Partners. Das Buch handelt von den vielen Lippenbekenntnissen, vom Glauben an die Stärke des Partners, von Vertuschungen und Leid und vom endlosen Warten auf Ernüchterung. „Ich fühlte mich schuldig“, so die Autorin.
In Angehörigengruppen suchte sie praktische Tipps im Umgang mit Alkoholkranken und erhielt stattdessen die Aufforderung, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Bei Paul führte der beschwerliche Weg in die Abstinenz, bei Eva Maria Barth erst nach 24 Jahren in ein zufriedenes Leben. Das Verhalten als Co-Abhängige blieb auch, als ihr Ehemann abstinent lebte. Auch trocken bestimmte der Alkoholkranke das Familienleben, seiner Frau blieb die Sorge um ihren Mann, sie war perfekte Ehefrau und Mutter und gab sich selbst dabei auf. Nach 27-jähriger Ehe ließ sich Eva Maria Barth scheiden.
„Es ist nie zu spät für ein eigenständiges Leben“, so die 61-Jährige. Nicht den bedingungslosen Weg der Solidarität mit dem suchtkranken Partner gehen, nie sich selbst aufgegeben, so ihr Appell an die Angehörigen.
„Wer sich in der Beziehung mit Suchtkranken der Situation widersetzt, geht allerdings den schwereren Weg“, so Eva Maria Barth. Die Arbeit an sich selbst sei anstrengend und dauert ein Leben lang, ergänzte Sozialpädagogin Christiane Weitzel.
Angehörigenberatung bietet die Fachstelle Sucht im Diakonischen Werk in Georgsmarienhütte und in den Außenstellen Belm und Dissen an: Tel. 05401/3658710.
Das Buch „aufgeklart“ von Eva Maria Barth ist zum Preis von 10 Euro im Buch- und Versandhandel erhältlich.