Glücksspielsucht

Glücksspielsucht ist die häufigste nicht substanzbezogene Suchtform bzw. Tätigkeitssucht.
Die psychische Wirkung des Glücksspielens soll der des Kokain ähneln.

 

Was sind Glücksspiele?

Ein Kennzeichen von Glücksspielen ist der zufallsabhängige Ausgang. Glücksspiele setzen Geld auf einen bestimmten Ausgang, in der Hoffnung, dass dieser eintrifft. Dies kann beispielsweise ein Lottotipp, eine Ergebniswette beim Fußball, die Benutzung eines Glücksspielautomaten oder die Teilnahme an Pokerspielen mit Geldeinsatz sein.

 

Wie werden Menschen glücksspielsüchtig?

Menschen, die gerne Glücksspiele spielen, werden in der Regel nicht sofort spielsüchtig. Dass es dennoch Menschen gibt, die trotz erheblicher persönlicher Nachteile, wie z. B. größeren finanziellen Verlusten, weiter spielen, scheint häufig absurd und nicht nachvollziehbar - für Außenstehende genauso wie für Betroffene selbst. Doch die Teilnahme an Glücksspielen kann entgleisen und sich zu einer Sucht ausweiten mit erheblichen negativen Konsequenzen für die betroffenen Personen und ihre Angehörigen. Neben individuellen Charakteristiken der spielenden Person oder ihrer derzeitigen persönlichen Situation hängt dies auch von den Eigenschaften der gewählten Glücksspielart ab.

Hierbei gilt folgende Regel: Je höher die möglichen Einsätze sind und je häufiger diese Einsätze nacheinander getätigt werden können, umso riskanter kann eine Teilnahme sein. Daher unterscheidet man auch zwischen „weichen“ (z. B. Lotto) und „harten“ Glücksspielen (z. B. Automatenspiel oder das „große Spiel“ im Casino). Ein weiteres Risiko besteht darin, dass Spielende bei Glücksspielen die nicht ausschließlich vom Zufall abhängen, wie Poker oder Sportwetten, ihre eigenen Kompetenzen bzw. ihre Einflussnahme auf den Spielausgang überschätzen.

Hat das Spielverhalten einen pathologischen, d. h. krankhaften Charakter bekommen, so wird von der Glücksspielsucht gesprochen, die zu den Verhaltenssüchten gerechnet wird. Glücksspielsucht ist heute eine anerkannte Krankheit. Glücksspielsüchtige Menschen haben die Möglichkeit, die Beratungs- und Behandlungsangebote in ambulanten und stationären Bereichen der Suchtkrankenhilfe in Anspruch zu nehmen.

 

Die glücksspielertypischen Merkmale

Beim "Pathologisches Glücksspiel" handelt es sich um ein ausdauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes "Glücksspielverhalten", das sich in mindestens fünf von zehn glücksspielertypischen Merkmalen ausdrückt:

  • Das starke Eingenommensein vom Glücksspiel
  • Die Erhöhung der Einsätze, um die gewünschte Errgegung zu erreichen
  • Wiederholt gescheiterte Versuche, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben
  • Das Auftreten von Unruhe und Gereiztheit beim Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben
  • Die Funktion des Glücksspielens, Problemen oder unangenehmen Gefühlen auszuweichen
  • Der Versuch, durch wiederholtes Glücksspielen frühere Geldverluste auszugleichen
  • Lügen gegenüber sozialen Bezugspersonen, um das Glücksspielverhalten zu vertuschen
  • Kriminelle Handlungen, um das Glücksspielen zu finanzieren
  • Die Gefährdung oder der Verlust partnerschaftlicher Beziehungen oder beruflicher Perspektiven    aufgrund des Glücksspielverhaltens
  • Das Verlassen auf andere Personen, um die glücksspielbedingte finanzielle Sackgasse zu überwinden

Kritisch anzumerken ist: Die für behandelte Glücksspieler charakteristischen emotionalen Störungen, ihre mangelnde Bindungsfähigkeit, Auffälligkeiten der Persönlichkeitsentwicklung, kognitiven Verzerrungsmuster, stressbedingte Erkrankungen, devianten Verhaltensweisen und die besondere Bedeutsamkeit des Geldes werden lediglich als zugehörige Merkmale genannt.

Eine klinisch-deskriptive Unterteilung lässt sich anhand des von dem Betroffenen bevorzugten Glücksspielmediums treffen. Danach lassen sich die behandelten Glücksspielsüchtigen unterteilen in Geldautomatenspieler, die "Unterhaltungsautomaten mit Gewinnmöglichkeiten" bevorzugen; Casinospieler, d. h. vorwiegend Roulettespieler; Karten- und Würfelspieler, die illegale Glücksspielformen, wie z. B. Poker, ausüben; Lottosystemspieler; Geldwetter, d. h. vorwiegend Pferdewetter sowie sonstige Glücksspieler, die glücksspielmäßige Formen der Börsenspekulation oder Spiele um Geld mit einem hohen Kompetenzanteil, wie z. B. Schach, Backgammon oder Billard, bevorzugen.

 

Glücksspielsucht - Ausdruck einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung

Die Anfälligkeit zur Entwicklung einer Glücksspielproblematik ergibt sich aus einer spezifischen Bedürfnisstruktur, die darauf gerichtet ist, das aus einer gestörten Eltern-Kind-Beziehung (insbes. Vater-Sohn-Beziehung mit einem schwachen/autoritären/abwesenden Vater) resultierende geminderte Selbstwertgefühl zu steigern (emotionale Grunderfahrungen zu ermöglichen), unangenehme Gefühle zu vermeiden und maximale Gewinne aus Beziehungen zu ziehen. Hier liegt die Schnittstelle der Wechselwirkung mit dem Glücksspielangebot als äußerer Anreizsituation. Das Glücksspiel ermöglicht Handlungen, die den Selbstwert durch Kompetenzerleben erhöhen können, der Gefühlsregulation dienen, indem positive Gefühle erlebt und negative Gefühle ersatzweise ausgelebt oder vermieden und distanziert-kontrollierte Interaktionsmuster hergestellt werden, die eine zu große Nähe verhindern. Der Entwicklungsprozess einer zunehmenden Glücksspielproblematik bestimmt sich im Weiteren dadurch, dass die ursprünglich bestehenden Wahlmöglichkeiten aufgrund der ausgeblendeten realen Folgen des Glücksspiels zunehmend eingeschrängt werden, was mit einer weiteren Bindung an das jeweilige Glücksspiel und den damit einhergehenden glücksspielbezogenen Lebensstil verbunden ist.

 

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