Medikamente
Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) sind bundesweit rund 1,5 Millionen Menschen arzneimittelabhängig, die Dunkelziffer gerade in diesem Bereich dürfte besonders hoch sein. 1997 wurden über die Apotheken 1,6 Milliarden Arzneimittel-Packungen verkauft, 36 Prozent davon, nämlich 580 Millionen Packungen, entfielen auf den Bereich der Selbstmedikation.
Für viele Erwachsene in unserer Gesellschaft sind Medikamente zu einem ständigen Begleiter geworden. Jährlich werden pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland etwa 1.250 Pillen, Kapseln, Dragees etc. konsumiert.
- Einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (1997) zufolge nehmen 40 Prozent der 13- bis 17-jährigen regelmäßig Kopfschmerzmittel.
- Ergebnisse der Universität Bielefeld belegen dies gleichermaßen. Jeder dritte Schüler im Alter zwischen 12-17 Jahren schluckt mindestens einmal wöchentlich Pillen oder Tropfen gegen Schulstress und Leistungsüberforderung.
- Bei einer Befragung von fast 5.000 Eltern eines Einschulungsjahrgangs im Landkreis Hannover wurde festgestellt, dass jedes zehnte Kind am Stichtag Medikamente bekommen hatte.
- Ca. Zweidrittel aller von Ärzten verschriebenen Medikamente wurde Frauen verabreicht.
- Der Grundstein und damit die Prägung des Verhaltensmusters für den Umgang mit Medikamenten wird bereits in den Jahren der Kindheit gelegt. Von Fachleuten wird deshalb darauf hingewiesen, Medikamente nicht im Beisein von Kindern einzunehmen, damit nicht der Eindruck entsteht, das gehöre zum normalen Leben.
Arzneimittelmissbrauch:
Von Arzneimittelmissbrauch spricht man bei zweckentfremdetem Gebrauch eines Arzneimittels. Eine medizinische Indikation ist nicht gegeben. Im Vordergrund steht das Bedürfnis nach positiver Befindlichkeitsregulierung, gesteigertem Wohlbefinden und neuen Erlebnisqualitäten. Eine hieraus möglicherweise entstehende psychische wie physische Medikamentenabhängigkeit führt schließlich dazu, dass Abhängige nicht Medikamente nehmen, weil sie krank sind, sondern sie bleiben krank, weil sie Medikamente nehmen.
Etwa 6-8 Prozent der viel verordneten Arzneimittel besitzen ein Suchtpotential. Die betreffenden psychotropen Arzneimittel (also Präparate mit Wirkung auf die Psyche), z. B. Schlafmittel (Barbiturate), zentral wirkende Schmerzmittel (Analgetika), codeinhaltige Medikamente oder auch Psychostimulantien, sind alle verschreibungspflichtig. Nicht selten wird die Vorbeugung gegen Missbrauch und Abhängigkeit bereits auf der Verschreibungsebene vernachlässigt, u. a. weil pharmakologische Charakteristika nicht ausreichend bekannt sind.
Bemerkenswert ist, dass gerade Kinder im Alter bis zu 5 Jahren im Durchschnitt eine Tablettenmenge verordnet bekommen, die genauso hoch ist wie die bei Erwachsenen. Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol (fiebersenkende Wirkung) finden besonders häufig Anwendung.
In zahlreichen Familien gehört der Gebrauch von Medikamenten (z. B. Erkältungsmittel) zur Selbstverständlichkeit, nicht selten werden darüber hinaus Alltagsbeschwerden und Missbefindlichkeiten leichtfertig mit Medikamenten behandelt. Es werden Medikamente konsumiert um "gut drauf zu sein", die Konzentrationsfähigkeit zu steigern bzw. Stress und Nervosität abzubauen.
Die 6 meist verkauften rezeptfreien Arzneimittel in Deutschland:
1. Thomapyrin (Schmerzen)
2. Aspirin (Schmerzen)
3. Aspirin plus C (Schmerzen)
4. ASS ratiopharm (Schmerzen)
5. Olynth (Erkältung, Schnupfen)
6.Paracetamol - ratiopharm (Schmerzen, Fieber)
Arzneimittel mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential - Wirkstoffe - Wirkung/Risiken:
- Hustenmittel -- Codein -- Müdigkeit, Erregung; Missbrauchs- und Suchtgefahr
- Schmerzmittel (Analgetika), z. B. Migränemittel -- Coffein/Codein -- Missbrauchs- und Suchtgefahr
- Psychopharmaka -- Benzodiazepine -- Benommenheit, Konzentrationsschwäche;Missbrauchs-und Suchtgefahr
- Schlafmittel/Beruhigungsmittel -- Barbiturate -- Benommenheit Konzentrationsschwäche;
- Missbrauchs- und Suchtgefahr
- Appetitzügler -- amphetamin- und ephedrinähnliche Wirkstoffe -- Halluzinationen,
- Kopfschmerz Bluthochdruck; Missbrauchs- und Suchtgefahr
Quelle: BzgA
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