Nikotin
Nikotin ist ein Inhaltsstoff der Tabakpflanze, die nach der Trocknung geraucht, seltener geschnupft oder gekaut wird. Die Feldfrucht Tabak ist nicht essbar. Anbau und Ernte brauchen ca. 100-mal so viele Arbeitsstunden wie die von Weizen.
Weltweit werden ca. 6 Mio. Tonnen jährlich angebaut, in vielen Ländern der Dritten Welt, auch in Deutschland (staatlich subventioniert).
In Deutschland rauchen 29 Prozent der Bevölkerung. 71 Prozent der Menschen sind Nichtraucher. Verglichen mit den anderen Ländern der EU ist der Raucheranteil von Männern durchschnittlich hoch, der Anteil von Frauen eher niedrig. Jeder fünfte männliche Raucher (jede achte Raucherin) ist "starker" Raucher mit mehr als 20 Zigaretten am Tag. Mädchen fangen grundsätzlich später an zu rauchen als Jungen, haben jedoch eine positivere Einstellung dazu (versprechen sich z. B. davon, nicht "dick" zu werden).
Tabakbedingte Todesfälle wurden in 1997 111.000 registriert, davon 43.000 durch Krebs, 37.000 durch Kreislaufkrankheiten und 20.000 durch Atemwegserkrankungen.
Geschichte:
500/600 v.Chr.: älteste Darstellung von rauchenden Maya-Priestern (Kontaktaufnahme und Zwiesprache mit den Göttern, Friedenspfeife).
16./17.Jh.: Massive Verfolgung des Tabakkonsums (Strafen: Zar Michael Romanow verbannte, der Papst exkommunizierte, Sultan Murad IV ließ hinrichten).
1913 begann die industrielle Fertigung von Zigaretten durch die Fa. Reynolds in den USA.
1930 reichte der Arbeitslohn einer Stunde für 19 Zigaretten. Jährlich wurden 450 Zigaretten pro Kopf der Bevölkerung Deutschlands geraucht.
1990 konnte man 92 Zigaretten für einen Stundenlohn kaufen, und es wurden 2000 Stück jährlich pro Kopf der Bevölkerung konsumiert.
Wirkung: Die akute Hauptwirkung ist eine anregende, das heißt die Konsumenten fühlen sich wacher und die Leistungsfähigkeit wird erhöht. Höhere Dosen bewirken aber eine Hemmung körperlicher Prozesse.
Beim Rauchen erreicht Nikotin schon innerhalb von 7 bis 8 Sekunden das Gehirn, wo es eine Reihe physiologischer Reaktionen auslöst:
- Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, und der Hautwiderstand nimmt ab. Da die Hauttemperatur ebenfalls sinkt, frieren Raucher schneller
- Psychisch machen sich die stimulierenden Effekte durch eine erhöhte Leistungsfähigkeit sowie eine verbesserte Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung bemerkbar. Gleichzeitig werden Appetit, Stress, Angst, Unsicherheit, Nervosität und Müdigkeit unterdrückt.
Wird dem Körper noch mehr Nikotin zugeführt, so kommt es zu Blockaden physiologischer Prozesse. Der Raucher nimmt dies zunächst als Beruhigung wahr.
Folgen: Der Körper wird praktisch immer ein wenig durch Nikotin vergiftet, weshalb bei Rauchern eine Vielzahl an Erkrankungen möglich ist. Jedes Jahr sterben ungefähr 100.000 Raucher an den Folgen des Konsums. Zum Vergleich: Aufgrund des Alkoholkonsums sterben jährlich ungefähr 20.000 Menschen, an den Folgen des Konsums illegaler Drogen ca. 2000.
Nikotin hat ein hohes Abhängigkeitspotential, das mit dem von Kokain oder Amphetaminen vergleichbar ist. Bei Nikotin besteht die Gefahr einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit.
Passivrauchen
Der "Hauptstromrauch" ist das, was der Raucher ausatmet. Der "Nebenstromrauch" ist das, was durch die brennende Zigarette entsteht. Beide Rauchströme (insbesondere der "Nebenstromrauch") enthalten Gifte (z. B. Nitrosamine, Stickoxide oder Formaldehyd) und belasten den Passivraucher trotz Verdünnung durch die Raumluft ebenso wie den Raucher. Auch für den Passivraucher kann dies gesundheitsschädigende Folgen haben, z. B. Kopfschmerzen, Atembeschwerden oder Husten.
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