Junges Engagement für die Diakonie

Osnabrück (eb) – Kein Interesse an der Gesellschaft und sozialen Projekten? Nicht so bei Julia Schröder, Thorben Pannen und Sebastian Kröger. Die 3 Jugendlichen, die im Landesposaunenchor mitspielen, haben beim Sommerfest des Café Connection den Besuchern selbst gebackenen Kuchen angeboten und einen Scheck über 120 Euro überreicht. Dieser Betrag ist ein Konzert-Erlös, der für den kostenlosen Eintopf verwendet werden soll, der jeden Mittwoch im Café Connection angeboten wird. „Nur über Spenden wie diese ist es uns möglich, dieses Angebot aufrecht zu erhalten“, freute sich Eva Zaun, Mitarbeiterin des Kontaktcafés der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes. Im Café Connection haben Drogenabhängige die Möglichkeit, Spritzen zu tauschen, Wäsche zu waschen und sich in einer drogenfreien Umgebung zu unterhalten und auszuruhen. Während der Öffnungszeiten bietet eine SozialarbeiterIn Unterstützung z. B. bei der Wohnungssuche oder beim Schreiben eines Lebenslaufs an. Unser Foto zeugt (v. l.): Achim Bockbreder, Leiter der Fachstelle, Eva Zaun, Julia Schröder, Thorben Pannen und Sebastian Kröger.


(Osnabrücker Nachrichten, 22.08.2010) 



„Glücksspiel muss mehr kontrolliert werden“

Suchtexperten gegen Abschaffung des staatlichen Monopols

OSNABRÜCK. Kein Verständnis haben die Experten der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes Osnabrück für politische Anregungen, das staatliche Glücksspielmonopol aufzuheben.
„Glücksspielsucht ist eine schwerwiegende Erkrankung, die der Abhängigkeit von harten Drogen sehr ähnlich ist“ erklärt Fachstellenleiter Achim Bockbreder in einer Stellungnahme: „Jedes Jahr ruiniert sie ganze Familien, die Suizidrate ist bei Betroffenen bekanntermaßen hoch.“ Das Glücksspielmonopol sei ein wichtiger Baustein, um dem Ausbreiten der Sucht zu begegnen. Auch wer das beseitigen wolle, spiele - mit dem Leben und der Zukunft der Gefährdeten.
Das Diakonische Werk weist darauf hin, dass sich der Wettskandal im Fußball nicht ohne Grund unter privaten Wettanbieter abgespielt habe. Die Freigabe des Glücksspiels würde solche Tendenzen weiter fördern. Auch bei den populären Pokerspielen, die wegen des Glücksspielmonopols heute meist in Turnierform erfolgten, würden Dämme brechen. „Wer hier aus haushaltspolitischen Gründen die Bremsen löst, schafft sich außerordentlich kostspielige neue Probleme zulasten der Allgemeinheit“, warnt Melanie Schubert, Glücksspielexpertin der Fachstelle.
Nach Angaben der Experten hat der Großteil ihrer glückspielabhängigen Patientinnen und Patienten in Unterhaltungscentern und Spielotheken seine Sucht entwickelt. Dieser Bereich sei schon heute dem Glücksspielmonopol entzogen. Es sei nachgewiesen, dass die Verfügbarkeit des Suchtgegenstands ein entscheidender Schlüssel dafür ist, wie verbreitet eine Sucht ist. Deshalb wäre mehr Kontrolle wünschenswert, gerade in den Bereichen außerhalb des staatlichen Monopols.
Bei der Einnahmen-Ausgaben-Berechnung sei auch zu bedenken, dass die Gewinne staatlich konzessionierter Anbieter wie der Lottogesellschaft in Form von Konzessionsabgabe und Lotteriesteuer zum Großteil in öffentlichen Kassen landen und zur Förderung gemeinnütziger Aufgaben herangezogen werden. Eine Freigabe würde zusätzliche Kosten für die öffentlichen Haushalte verursachen. Hinzu kämen gesellschaftliche Folgekosten an Behandlungen, Arbeitsausfall, finanziellem Unterstützungsbedarf und Beschaffungskriminalität.
Der Ökumenische Behandlungsverbund Glücksspielsucht, in dem sich die Fachstellen der Diakonischen Werke im Landkreis Osnabrück mit dem Caritasverband vereinigt haben, behandele und vermittele jährlich etwa 300 Abhängige, die ohne Hilfe nicht von ihrer Spielleidenschaft loskommen. Möglich seien ambulante Therapien und stationäre Behandlungen in speziellen Fachkliniken. Meist sind es nach Erfahrung der Therapeuten Angehörige, die versuchen, die ausufernde Verschuldung des Spielabhängigen auszugleichen und dadurch selbst in die Misere geraten. Deren Einbeziehung und Unterstützung und die Schuldnerberatung seien ein wesentlicher Teil der Hilfe.
Info : Telefon 05 41/ 940- 100, www.suchtberatungsstelle.de » oder www.glücksspielsucht.de »

(Neue Osnabrücker Zeitung, 02.08.2010) 



Suchtberater warnen vor Tippspielen

Osnabrück. Die Fußball-WM beobachten die Mitarbeiter des Ökumenischen Behandlungsverbundes für Glücksspielsucht mit gemischten Gefühlen. Sorgen macht ihnen das Tippspiel-Fieber. „Fußballfans geraten schnell in Gefahr, ihrem Fußballverstand zu viel zuzumuten und zu glauben, Spielverläufe und Ergebnisse sicher vorhersagen zu können“, verdeutlicht Melanie Schubert vom Diakonischen Werk Osnabrück. „Gegen einen Ergebnistipp im Kreis der Familie ist natürlich nichts einzuwenden - schwierig wird es, wenn Geld fließt und der Spaß an den Spielen dem Gewinnenmüssen im Tippspiel weicht.“ Der Druck, Einsätze immer mehr zu erhöhen, um verlorenes Geld zurückzubekommen, könne in einen Gewinn-Verlust-Kreislauf führen. Die Gefahr einer Abhängigkeit sei dann groß.
Unterstützung bieten die Suchtberatungsstellen in Stadt und Landkreis. Kontakt unter www.suchtberatungsstelle.de » oder über Telefon 05 41/94 01 00 (Diakonie) oder 34 14 04 (Caritas)

(NOZ,  10.06.2010)


Den Absturz in die Sucht rechtzeitig verhindern

S. Osnabrück. „Gute Präventionsarbeit ist teuer. Zu wenig oder gar unterlassene Präventionsarbeit ist teurer.“ Mit diesen Worten warb gestern Jürgen Griese, Vorsitzender des Förderkreises Drogenhilfe Osnabrück, um weitere Unterstützung für das Projekt Suchtprävention in der Schule (Spids).
Mit großzügiger Unterstützung der Friedel-und-Gisela-Bohnenkamp-Stiftung und der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte ist die Arbeit für dieses Jahr gesichert, dankte der Vorsitzende. Die Spende von 15 000 Euro decke drei Viertel der jährlich benötigten Gelder für die Aufklärungsarbeit.
Seit 2006 gibt es Spids. Fachleute des Diakonischen Werkes, der Caritas und der Stadt Osnabrück klären Siebtklässler über die Gefahren von Abhängigkeit auf. Drogensucht, Alkoholexzesse, übermäßiger Computernutzung - alles wird ohne erhobenen Zeigefinger angesprochen. Vielmehr werde den jungen Leuten gezeigt, wie sie Probleme bewältigen können, statt sie mit Suchtmitteln zu unterdrücken.
Die Gründe für Suchtverhalten seien vielfältig, erläuterte Griese in Anwesenheit von Ministerpräsident Christian Wulff, der sich während seiner Bürgersprechstunde Zeit für den Förderkreis und die Spender nahm: der Zerfall familiärer Bindungen, Versagensängste, Leistungsdruck und Perspektivlosigkeit. Betroffen seien alle sozialen Schichten: „Wir müssen uns nichts vormachen: An allen Schulen wird gekifft.“
Auf Wunsch der Schüler selbst habe Spids sein Programm geändert: Einer eintägigen Aufklärungsveranstaltung in der 7. Klasse folge eine zweitägige in der 8. oder 9. Jahrgangsstufe. Dann seien die Schüler in einem Alter, in dem sie in Kontakt mit Drogen kommen. Sie seien überzeugt von der nachhaltigen Wirkung dieser Arbeit, begründeten Gisela Bohnenkamp und Hermann Cordes von der Stahlwerk-Stiftung ihr Engagement. Angesichts möglicher Folgekosten für Suchtkranke „ist Prävention ausgesprochen preiswert“. Die Stiftung, die Spids schon früher unterstützt hat, „will Sie gerne bei Ihrer Arbeit weiter begleiten“.


(NOZ,  29.05.2010)


„Klarsicht“ statt „benebelt“

Osnabrück. Mit einer Rauschbrille Balance halten oder über einen Geldteppichlaufen, der die Kosten für Zigaretten darstellt. Was im Großen seit einiger Zeit erfolgreich ist, erproben Osnabrücker jetzt als Kofferversion:
Sowohl die Schüler des Gymnasiums in der Wüste als auch an der Thomas-Morus-Schule haben am Pilotprojekt des KlarsichtParcours teilgenommen und dabei erfahren, welche Auswirkungen der Konsum von Tabak und Alkohol hat.Die Bundeszentrale für gesundheitlicheAufklärung (BZgA) tourt seit Jahren erfolgreich mit dem interaktiven KlarSicht-MitmachParcours für Jugendliche durch deutsche Städte. Erst vor kurzem waren sie auch im Haus der Jugend in Osnabrück. Die beiden Schulen läuteten nun in Zusammenarbeit mit der Fachambulanz für Suchtprävention des Caritasverbandes Osnabrück und der Diakonie die Testphase für den Parcours „in klein“ ein. Diese Kofferversion ist deutlich mobiler und kompakter einsetzbar als der „große Bruder“ der Bundeszentrale. Dabei konnten die Schüler an mehreren Stationen aktiv werden, mitmachen, ausprobieren, in Teamarbeit ihre unterschiedlichen Kompetenzen einbringen und voneinander lernen. Info-Tafeln und Materialien bieten zusätzliche Fakten zu Alkohol und Tabak, sowie deren Auswirkungen, Hintergrundwissen und natürlich auch Tipps zum „Aussteigen“. Zum Beispiel setzen sie sich eine Rauschbrille auf, die die Sehfähigkeit eines Betrunkenen simuliert. Wie Tabakrauch im Körper wirkt, erfahren sie an der Station: „nichts vernebeln“. Anhand eines Zigarettenteppichs wird hier gezeigt, wie viel Geld ein Raucher durch seinen Konsum in Rauch aufgehen lässt. Darüber hinaus entwickeln die Schüler einen Werbeslogan und erfahren selber die Tricks der Werbebranche, die die Jugendliche zum Konsum verführen wollen. Als Experten nehmen sie an der Talkshow teil, wo ihre Meinung gefragt ist. „Mit dem Parcours wollen wir über die Wirkungen und Suchtpotenziale von Tabak und Alkohol informieren und eine kritische Haltung dazu fördern“, sagt Sandra Kolmer von der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation. „Wir wollen die Jugendlichen unterstützen, die Risiken von Alkohol-und Zigarettenkonsum klarer zu sehen.“

(Osnabrücker Sonntagszeitung,  23.05.2010)


Gutes Essen auch mit kleiner Rente erschwinglich

Diakonie-Bistro zieht vor allem Ältere an

Diakonie-Bistro erreichen will. Ältere Menschen, die mit spitzem Bleistift rechnen müssen, erhalten hier montags bis freitags für 1,50 Euro ein schmackhaftes und gesundes Mittag essen.
50 Portionen werden im Alten- und Pflegeheim Heywinkelhaus frisch gekocht und im Diakonie-Bistro an der Lohstr. 65 von ehrenamtlichen Mitarbeitern am Tisch mit einem freundlichen Wort serviert. Damit gar nicht erst der Eindruck von Armenspeisung aufkommt, werden die Gäste wie in einem Restaurant freundlich bedient.
So wie Frau L. „Ich komme hinter der Oder weg“, stellt sich die 81-Jährige vor. 1945 verlor sie an einem Tag Eltern und Heimat. Zwei Kinder hat sie großgezogen, sich spät von ihrem gewalttätigen Mann getrennt. Jetzt lebt sie „ganz bescheiden“ von ihrer kleinen Rente. 682 Euro bekommt sie monatlich, davon gehen 336 Euro für die Miete drauf. „Ich rauche und trinke nicht, das geht“, stellt sie fest. Zur Lohstraße kommt sie mit dem Fahrrad. Das kostet nichts und hält fit.
Auch Frau F. macht sich gerne mittags auf den Weg in die Innenstadt, „denn es sind besondere Menschen, die das Essen servieren.“ „Einkaufen, kochen, essen, und das auch noch allein, ist für mich nicht drin.“ Frau F. bekommt Grundsicherung, eine staatliche Leistung zur Sicherstellung des notwendigen Lebensunterhaltes im Alter und bei Erwerbsminderung. Für sie bedeutet das Mittagessen mit den anderen Gästen „jeden Tag ein Geschenk, und zur Gesunderhaltung trägt es auch bei.“
Das ist für Konrad Leiter besonders wichtig. Der 56-Jährige ist nach einer schweren Erkrankung frühverrentet. Das Essen schmeckt ihm und ist so zubereitet, wie es ärztlich empfohlen ist. Dazu kommt, „dass man hier immer jemanden trifft und sich unterhalten kann“. Manchmal bleibt er auch, denn am Nachmittag wird aus dem Diakonie-Bistro das Café Oase. Der alkohol- und drogenfreie Treffpunkt der Diakonie bietet von Sport bis Kultur ein vielseitiges Programm.
„Wir machen keine Werbung, aber das Bistro ist immer gut besucht“, sagt Hinrich Haake, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Osnabrück. Eine Ausweitung des Angebotes sei sinnvoll. Die Gemeinde könne das aber nicht schaffen: Jedes Essen für 1,50 Euro müsse mit 1,80 Euro bezuschusst werden - allein aus Spenden.
Mit der Alterspyramide wird auch die Altersarmut weiter wachsen. Schlecht bezahlte Minijobs und gebrochene Arbeitsbiografien werden ebenfalls zu mehr Armut im Alter führen. Seit Einführung der Grundsicherung im Jahr 2003 ist die Zahl der Empfänger in Osnabrück auf 2663 um mehr als 25 Prozent angestiegen. Hinzu kommt die Dunkelziffer derer, die wie Frau L. auf staatliche Unterstützung verzichten, obwohl sie Anspruch darauf hätten.
„Die meisten Gäste kommen vom Quartier Rosenplatz, aus dem Schinkel und aus Eversburg, Stadtteilen mit vielen armen Bewohnern“, berichtet Haake. Er hofft, dass es weiterhin genügend Spenden gibt (Konto 14555, Sparkasse Osnabrück, Bankleitzahl 265 501 05, Stichwort: Diakonie-Bistro), um täglich 50 Essen anbieten zu können.
Derzeit werden prominente Förderer gesucht. Mit dem Ex-VfLer Joe Enochs ist schon der Erste gefunden: Er wird während der Fußball-Weltmeisterschaft einmal im Bistro servieren

(Neue-OZ vom 21.05.2010)


„Frida“ bietet Schutz und will stärken

Foto: Michael Hehmann

Anlaufstelle für suchtkranke Frauen und Mädchen eröffnet

S. Osnabrück. Viele Suchthilfeangebote sind auf Männer zugeschnitten. Das soll sich ändern: In der Parkstraße 19 hat das Diakonische Werk Osnabrück den Frauen- und Mädchentreff „Frida“ eröffnet. Frida steht für Frauen in der Abhängigkeit.
Der Name erinnert zugleich an die mexikanische Malerin Frida Kahlo. Nach einem schweren Unfall hatte sie sich vom Leben zurückgezogen. Erst als sie mittels der Malerei ihre Träume, Sehnsüchte und starken Schmerzen verarbeiten konnte, fand sie wieder ins Leben zurück.
Mit Medikamenten Schmerzen oder Probleme zu unterdrücken, ohne die Ursache zu bearbeiten, sei typisch für Frauensucht, sagte Geschäftsführer Hinrich Haake. Von den 1,9 Millionen medikamentenabhängigen Menschen in Deutschland seien 70 Prozent Frauen. Viele von ihnen versteckten ihre Sucht und „funktionieren so lange, bis sie zusammenbrechen“.
Auch wenn die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes schon seit Langem Angebote für Frauen mache, habe bisher ein Raum nur für Frauen gefehlt, der ihnen Schutz und Schonung bietet. Dies sei nun in den Räumen des ehemaligen Vereins „JES“ möglich.
Das Konzept für die Arbeit hat Simone Entrup entwickelt. Die Sozialpädagogin war schon Mitinitiatorin für die Nachtstreetwork: Mitarbeiterinnen der Fachstelle Sucht fahren mit einem Bulli nachts zu Frauen, die sich zur Finanzierung der Sucht prostituieren, und „bringen ihnen nicht nur Kaffee, sondern auch Wertschätzung entgegen“, wie Fachstellenleiter Achim Brockbreder sagte.
„Frida“ richtet sich an suchtkranke, aber auch an Frauen, die ihre Abhängigkeit überwunden haben und noch Unterstützung wünschen. Angesprochen sind Schwangere und Mütter, die aufgrund ihres Konsums Hilfe brauchen. So gibt es in der Anlaufstelle auch eine Hebammensprechstunde. Im Juni beginnt der erste Kurs MUT (Mutter-Unterstützungs-Training), bei dem es um Erziehung geht. Denn, so sagte Simone Entrup: Kinder Suchtkranker sind sechsmal höher anfällig für eine eigene Abhängigkeit.
„Jeder, der aus der Sucht geholt wird, ist ein Gewinn für uns alle“, betonte Oberbürgermeister Boris Pistorius. Die Verantwortung für die Schwachen und (Sucht-) Kranken liege bei der Gesellschaft und somit bei jedem Einzelnen. Die Finanzierung des Projektes zeigt einen Querschnitt durch die Gesellschaft: Beteiligt sind der evangelisch-lutherische Kirchenkreis, die Diakoniestiftung Osnabrück, die Stadt, der Förderverein Drogenhilfe und viele Groß- und Kleinspenden von Firmen und Einzelpersonen.
„Frida“ setzt die Arbeit der früheren, vor zwei Jahren verstorbenen Suchtstellenleiterin Christel Arndt fort. Sie hatte ihre Besitztümer dem Diakonischen Werk für die Arbeit mit suchtkranken Frauen hinterlassen.

(Neue-OZ vom 18.05.2010)

Der Blick durch die Alkohol-Brille

Foto: Michael Hehmann

 

300 Schüler besuchen das Projekt „Klarsicht“ im Haus der Jugend

jweb Osnabrück. Am Tor der Entscheidung wechseln die Fragen. Eine von ihnen: „Findest du Freundinnen und Freunde uncool, die nicht rauchen oder keinen Alkohol trinken?“ 300 Schüler schreiten zweimal hindurch - am Anfang und am Ende des Mitmachparcours im Haus der Jugend.
Eine Szene in der Karibik: Gut gelaunte junge Menschen springen vergnügt ins Wasser - und trinken Rum einer bestimmten Marke. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um eine Werbesendung, und die Schauspieler sind nüchtern. Mit welchen Tricks Jugendliche an Alkohol herangeführt werden, ist Teil des Mitmachparcours. Schüler setzen sich eine Rauschbrille auf, die die Sehfähigkeit eines Betrunkenen simuliert.
Wie Tabakrauch im Körper wirkt, erfahren die jungen Leute an ebenso unterhaltsamen Stationen. Dort liegt ein Zigarettenteppich ausgerollt, daneben ein Geldteppich - und es wird klar, wie viel Geld ein Raucher verbrennt. Und welchen Schaden er sich gleichzeitig zufügt. Schließlich befinden sich die Schüler in einer Talkshow, in der sie plötzlich die Rolle von Experten übernehmen.
Wie kam die Aktion nach Osnabrück? Die Stadt, die Diakonie und der Caritasverband waren auf die Kölner Schmitt-Projektorganisation mit der Aktion Klarsicht aufmerksam geworden - einen privaten Träger im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Osnabrücker schrieben die Klassenlehrer der achten und neunten Klassen aller Schulformen an. Und die Resonanz war groß, wie Michael Rudolph vom Fachdienst Jugend berichtet: „Wir mussten auch Absagen erteilen.“
Monika Schnellhammer vom Caritasverband und Ulrike Sensse von der Diakonie bestätigen den Eindruck von Michael Rudolph: „Die Schüler lassen sich darauf ein und machen konzentriert mit.“ Weshalb das so ist, kommentiert Peter Frech von der Kölner Organisation so: „Wir arbeiten nicht mit erhobenem Zeigefinger.“
Bis das Projekt Klarsicht wieder in Osnabrück ist, kann es noch lange dauern. Die Kölner sind in diesem Jahr in 52 Städten auf Tournee. Doch die Stadt Osnabrück, die Diakonie und der Caritasverband bieten außerdem eine Kofferversion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an. Auf Wunsch von Schulen besuchen sie damit den Unterricht.
(Neue-OZ vom 05.05.2010)

Informationen zur Kofferversion des Präventionsprojekts: Diakonisches Werk, Fachstelle für Suchtprävention,Telefon 0541/940-100

Kein Cent in der Tasche: Menschen in der Schuldenfalle

Superintendent Friedemann Pannen und Geschäftsführer Hinrich Haake begrüßen Manfred Poscher als neuen Leiter der Diakonie-Schuldnerberatung

Immer mehr Menschen in der Schuldenfalle
Diakonisches Werk eröffnet Schuldnerberatungsstelle

Das Diakonische Werk Osnabrück hat seine Beratungsangebote erweitert. Seit dem 1. April können Menschen, die in der Schuldenfalle sitzen, in der neuen DiakonieSCHULDNERBERATUNG kompetente Beratung und Unterstützung erhalten. Das neue Beratungsangebot wurde möglich, weil die Stadt Osnabrück seine bisher durch städtische Mitarbeiter durchgeführte Beratung an 2 freie Träger, das Diakonisches Werk und den SKM übertragen hat. Am 30.4. wird die neue Beratungsstelle der Diakonie in der Lohstraße 65 feierlich eröffnet.

Hinrich Haake, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Osnabrück: „Qualifizierte und gut vernetzte Schuldnerberatung ist wichtiger denn je, weil immer mehr Menschen in die Schuldenfalle geraten“ Der Index für die private Verschuldung stieg laut Schufa von 2003 bis 2010 um rund 20 %. Die meisten Schulden machen dabei die 40 bis 44 jährigen mit im Durchschnitt 8983 €, aber auch die 18 bis 19 - jährigen sind mit durchschnittlich 3262 € schon stark in der Kreide. Im Jahr 2008 galten 6,9 Millionen erwachsene Einwohner, von denen die Mehrzahl in Städten wohnt, als überschuldet oder wiesen zumindest nachhaltige Zahlungsstörungen auf.

Die DiakonieSCHULDNERBERATUNG ergänzt die Beratungsangebote des Diakonischen Werkes, die die Arbeitsbereiche Suchtberatung, Sozialberatung, Frauenberatung, Beratung für Partnerschafts- und Lebensfragen, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung sowie die Straffälligenhilfe umfasst.

Axel Winter; Kirchenkreissozialarbeiter und Verantwortlicher für den neuen Arbeitsbereich Schuldnerberatung im Diakonischen Werk: „Überschuldung wird selten nur durch eine einzelne Ursache hervorgerufen. Aus diesem Grund wird, sofern der Bedarf besteht, die DiakonieSCHULDNERBERATUNG in enger Kooperation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der anderen Beratungsdienste erfolgen. Nicht immer ist eine Entschuldung möglich. In diesen Fällen bietet die DiakonieSCHULDNERBERATUNG Hilfestellung, trotz Überschuldung ein menschenwürdiges Leben zu führen, ohne permanente Ängste vor Kontopfändungen, Wohnungs- oder Arbeitsplatzverlust“.

Neuer Leiter der Beratungsstelle wird Manfred Poscher, der schon die Schuldnerberatung im Diakonischen Werk Georgsmarienhütte aufgebaut hat. Damit wird das neue Beratungsangebot in enger Kooperation der beiden diakonischen Träger an den Start gehen.

Anmeldungen für die Schuldnerberatung unter der Telefonnummer 054194049200
Internet www.diakonischeswerk-os.de

Wer viel trinkt, schlägt leichter zu

Das Diakonische Werk Osnabrück setzt sich dafür ein, die Alkoholsteuer zu erhöhen und die Einnahmen daraus zur Bekämpfung der Suchtgefahren einzusetzen. Geschäftsführer Hinrich Haake präsentierte gestern den Jahresbericht mit dem Schwerpunkt Alkoholmissbrauch und Gewalttätigkeit.

In Deutschland stehe ein Drittel der Gewaltdelikte in Zusammenhang mit Alkoholkonsum, sagte Haake. In Osnabrück sei in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der schweren Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss um mehr als 85 Prozent auf 1349 angestiegen.
Die Diakonie stelle sich diesem Problem mit Angeboten ihrer Suchtkranken- und Straffälligenhilfe. Ohne eine gesellschaftliche Neubewertung des Umgangs mit Alkohol „stehen wir aber auf verlorenem Posten“. Dazu gehöre eine Anhebung der Alkoholsteuer, aber auch eine Erhöhung des Alkoholpreises, der im europäischen Vergleich in Deutschland zu den niedrigsten gehöre. Abgesehen von diesen Forderungen an den Gesetzgeber, müssten auch Kommunen mehr für die Prävention zahlen.

Der Einsatz erheblicher Mittel für Sucht- und Gewaltprävention zeige das Engagement des Diakonischen Werkes auf, unterstrich Superintendent Friedemann Pannen und fragte: „Wie lange können wir es uns noch leisten, Jugendliche mit aggressiver Werbung“ auf den Geschmack zu bringen, wenn es heute schon normal sei, dass Klassenfahrten im Krankenhaus endeten, weil Minderjährige eine Alkoholvergiftung hätten?

Von 2000 bis 2008 sei bundesweit die Zahl der behandlungsbedürftigen Alkoholvergiftungen von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren um 170 Prozent angestiegen. Bei übermäßigem Alkoholkonsum ihrer Kinder reagierten Eltern oft hilflos und weniger schnell als bei Drogenkonsum, berichtete Achim Bockbreder, Leiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention. Mit „ProAktiv“, einem Bundesmodellprojekt, unterstütze die Osnabrücker Beratungsstelle Eltern im Umgang mit ihren Kindern beim Rauschmittelkonsum. Für Jugendliche gebe es eine Gruppe, in der über die Wirkung von Rauschmitteln aufgeklärt werde.

„80 Prozent der Straffälligen haben ein Suchtproblem“, sagte Burkhard Teschner, Leiter der Anlaufstelle für Straffällige. Unter den Teilnehmern am Anti-Gewalt-Training hätten ebenfalls 80 Prozent ein Alkoholproblem. Vor allem Hochprozentiges wirke enthemmend und mache aggressiv: „Wir haben Klienten, die zwei bis drei Flaschen Wodka am Tag trinken.“ Und manche könnten sich später nicht mehr daran erinnern, was sie im Rausch gemacht hätten.
„Man kommt leichter an Alkohol als an Zigaretten ran“, meinte Teschner mit Blick auf Jugendliche. Studien belegten, dass mit steigendem Alkoholpreis der Pro-Kopf-Konsum sinke, ergänzte Haake. Parallel dazu sinke auch die Sterblichkeitsrate durch alkoholbedingte Krankheiten.

NOZ / U.Schmidt am 28.04.2010

Tau mich auf - eiskalt!

Trikots
Zu gewinnen: Signierte Trikots unserer Nationalmannschaften

Die  Hauptgewinnerin der Ossensamstags-Checkpoint-Aktion der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes Osnabrück traf Culcha Candela beim gefeierten Konzert im Osnabrücker Rosenhof. Ein "Hamma"-Gewinn. Eigentlich wollte Luisa Lucht ihrer Mutter beweisen, dass sie auf dem Ossensamstag keinen Alkohol getrunken hatte, als sie am Checkpoint ins Röhrchen pustete. Das sie damit die begehrte Konzertkarte gewinnen sollte, hatte sie nicht gedacht. 360 Jugendliche und junge Erwachsene nutzten das Angebot der Diakonie, ihren Promillewert zu checken. Wer jünger als 16 Jahre und bei 0,0 Promille lag oder älter als 16 Jahre und unter 0,5 Promille lag konnte an der Verlosung teilnehmen. Culcha Candela hatte die Aktion für einen verantwortungsvollen Imgang mit Alkohol im Karneval sofoert unterstützt, als die Fachstelle sie ansprach. Zusätzlich zum kostenlosen Besuch des ausverkauften Konzertes gab es vorab sogar ein persönliches Treffen mit drei der Jungs. Beim Meet & Greet bestärkten die Mitglieder der Band die 14-jährige Luisa, weiter so verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen.

(Osnabrücker Nachrichten vom 11.04.2010

Sportler unterstützen Diakonisches Werk bei Aktion für verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol

Trikots
Zu gewinnen: Signierte Trikots unserer Nationalmannschaften

Osnabrück- Die Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes findet prominente Unterstützung im Werben für einen verantwortungsvollen Alkoholkonsum am Ossensamstag. Wie bereits im vergangenen Jahr wird sich die Fachstelle aus der Lotter Straße mit einer größeren Aktion am Osnabrücker Straßenkarneval beteiligen. Ziel ist es, die Gefahren von unkontrolliertem Trinken insbesondere für Jugendliche aufzuzeigen und die osnabrücker Närrinnen und Narren zu bewegen, es in diesem Jahr mit dem Alkohol nicht zu übertreiben. Dabei findet das Diakonische Werk breite Unterstützung bei deutschen Spitzensportlern. „Sowohl die deutschen Nationalmannschaften im Handball und Fußball wie auch Spitzenclubs wie Werder Bremen oder der Lokalmatador VfL Osnabrück sicherten uns sofort ihre Unterstützung zu. Die handsignierten Trikots des DFB-Teams für Südafrika und des aktuellen EM-Teams des Handballweltmeisters von 2007 werden Ossensamstag zusammen mit den ebenfalls handsignierten Trikots des SV Werder Bremen und des VfL an unserem Stand verlost,- teilnehmen kann aber nur, wer dann verantwortungsvoll mit dem Alkohol umgeht.“

Hamma- Culcha Candela lädt Gewinner von Ossensamstag-Aktion zum Konzert ein

Diakonisches Werk verlost Treffen mit den Chartstürmern
unter Jugendlichen, die Ossensamstag „sauber bleiben“
Osnabrück- Der Osnabrücker Strassenkarneval ist um eine Attraktion reicher. Mit Culcha Candela beteiligt sich eine der angesagtesten deutschen Bands an Ossensamstag daran, Jugendliche vom Saufen abzuhalten. Zwar treten die fünf Sänger, die mit Tophits wie „Hamma“, „Herzlich Willkommen“ oder aktuell „Monster“ die Massen begeistern nicht persönlich auf, aber trotzdem können Gewinner einer Verlosungsaktion der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes sie ganz exklusiv erleben. Für Narren und Närrinnen, die am Ossensamstag verantwortungsvoll mit dem Alkohol umgehen, winkt als Belohnung ein Konzertbesuch mit einer persönlichen Begegnung mit den Stars. „Culcha Candela hat keine Sekunde gezögert, sich in den Dienst unserer Aktion zu stellen, als sie von unserem Vorhaben und  den Problemen mit exzessiven Trinken am Ossensamstag hörten“ betont Fachstellenleiter Achim Bockbreder. Am in diesem Jahr durch eine Brauerei gesponsorten osnabrücker Straßenkarneval gab es in der Vergangenheit immer wieder erhebliche Probleme mit exzessiven Trunken und Gewalt. Das Diakonische Werk wolle bei dem Anlaß mit einem Infostand, freiwilligen Alkoholkontrollen und der Verlosung zum Nachdenken und einem gesünderen Umgang mit Alkohol insbesondere Jugendliche ansprechen.