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Das sind die neuen Suchtberaterinnen in Bad Essen

13.04.2018
Sie beraten in Suchtfragen: Carolin Meyer (links) von der Diakonie und Fee Fischer von der Caritas arbeiten zusammen in Bad Essen. Foto: Louisa Riepe

Sie beraten in Suchtfragen: Carolin Meyer (links) von der Diakonie und Fee Fischer von der Caritas arbeiten zusammen in Bad Essen. Foto: Louisa Riepe

Von Louisa Riepe

Bad Essen. „Ich habe Cannabis bei meinem Sohn gefunden.“ „Meine Mutter trinkt jeden Abend eine Flasche Wein.“ „Ohne Tabletten kann ich abends nicht mehr einschlafen.“ Mit solchen Problemen kommen die Menschen zu Carolin Meyer und Fee Fischer. Die Sozialarbeiterin und die Sozialpädagogin besetzen stundenweise die ökumenische Suchtberatungsstelle in Bad Essen.

Fischer und Meyer sind Ansprechpartner für eine ganze Reihe von „Suchtmitteln und Suchtverhalten“, wie sie selbst sagen. Dazu gehören Alkohol-, Drogen - und Medikamentenabhängigkeit genauso wie exzessives Glückspiel und Medienkonsum oder Essstörungen. „Häufig geht es den Betroffenen im Gespräch erst mal darum, das eigene Verhalten zur reflektieren“, sagt Fischer, „und festzustellen: Ist schon eine Sucht vorhanden, oder noch nicht?“

Selbsterkenntnis und Vermittlung

Dazu gehen die beiden Beraterinnen mit ihren Klienten eine lange Liste von Kriterien durch und erarbeiten zum Beispiel, ob derjenige noch die Kontrolle über sein Verhalten hat, oder bereits sein Umfeld vernachlässigt, weil die Sucht überhand über die eigenen Entscheidungen gewinnt. Im Idealfall stellen die Betroffenen im Gespräch selbst fest, dass sich etwas ändern muss. Dann können Fischer und Meyer weitervermitteln – zum Beispiel in eine Entgiftungsklinik, in eine Rehabilitationseinrichtung oder eine Selbsthilfegruppe.

Ihr Angebot, so betonen die beiden, ist unabhängig von der Konfession, vom Familienstand oder vom Alter der Betroffenen. „Wir bieten auch eine Angehörigenberatung an“, sagt Fee Fischer. Die richtet sich an Verwandte und Freunde, die sich oft fragen, wie sie mit dem Konsumverhalten ihrer Lieben umgehen sollen. Insgesamt kam die ökumenische Beratungsstelle in Bad Essen im Jahr 2017 so auf 144 Beratungsgespräche. Eine Menge Arbeit, wenn man bedenkt, dass die Stelle nur 10 Stunden pro Woche besetzt ist. Zusätzlich wurden 20 Abhängige betreut, die ihre Sucht nach Heroin oder Opiaten dauerhaft mit vom Arzt verordneten Substituten bekämpfen.

Neu im Wittlager Land

Fischer und Meyer haben an diesen Zahlen nur einen geringen Anteil, denn beide sind noch neu im Wittlager Land. Fischer arbeitet seit dem 1. April 2017 hier, Meyer erst seit wenigen Wochen. Obwohl beide aus der Region kommen, haben sie schnell bemerkt, was die Besonderheiten vor Ort sind. „Hier gibt es weniger Laufkundschaft“, sagt Fee Fischer, die sonst in Osnabrück in der Suchtberatungsstelle der Caritas an der Johannisstraße sitzt. „Die Leute rufen eher an und vereinbaren einen Termin für die Beratung.“ Außerdem sei die Scham, die Dienste der Beraterinnen in Anspruch zu nehmen, auf dem Land höher als in der Stadt, so die 27-Jährige. „Den Leuten ist wichtig, dass die Nachbarn nichts davon mitbekommen und fahren zur Selbsthilfegruppe lieber in den Nachbarort, damit sie dort niemanden treffen, den sie kennen.“

Carolin Meyer arbeitet vier Tage pro Woche in der Suchtberatungsstelle der Caritas in Melle. Am Standort Bad Essen schätzt die 26-Jährige besonders den Austausch mit den Kollegen. Denn unter dem Dach der ökumenischen Beratungsstelle gibt es noch weit mehr Angebote, als nur die Suchtberatung: „Zum Beispiel den Jugendmigrationsdienst. Ich wusste vorher gar nicht so genau, was die eigentlich machen“, sagt Meyer. Außerdem sind auch die Flüchtlingssozialarbeit, die Schuldnerberatung, das Job-Coaching oder die Schwangerenberatung in dem Haus untergebracht. Ein Vorteil für die Suchtberaterin, gerade wenn ihre Klienten mehrere Probleme haben.

Ökumene als vorteilhaftes Unikum

Dass in Bad Essen überhaupt verschiedene Wohlfahrtsorganisationen zusammenarbeiten, ist etwas besonderes. Die ökumenische Beratungsstelle ist neben der Bahnhofsmission die einzige Einrichtung in Stadt und Landkreis Osnabrück, bei der Caritas und Diakonie ihr Angebot bündeln. Ein Unikum, das seine Vorteile hat, finden Fischer und Meyer. „So haben wir Zugriff auf zwei Systeme und können für jeden Betroffenen eine passgenaue Therapie finden“, sagt Fischer. „Außerdem stehen wir nicht in Konkurrenz zu einander“, sagt Meyer. Andernorts kommt es häufiger vor, dass Betroffene mit einer von beiden Organisationen nicht zurechtkommen und dann zur anderen wechseln. In Bad Essen ist das durch die enge Zusammenarbeit der Organisationen und der beiden Suchtberaterinnen nahezu ausgeschlossen.

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