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Führerschein weg: MPU-Vorbereitung in GMHütte

28.11.2017
Türen öffnen in der Diakonie-Suchtberatung: MPU-Berater Frank Stier und Therapeutin Beate Plöger unterstützen Menschen mit Alkoholproblemen bei der MPU-Vorbereitung. Foto: Petra Pieper

Türen öffnen in der Diakonie-Suchtberatung: MPU-Berater Frank Stier und Therapeutin Beate Plöger unterstützen Menschen mit Alkoholproblemen bei der MPU-Vorbereitung. Foto: Petra Pieper

Von Petra Pieper
Georgsmarienhütte. „Nun lebe ich wieder und freue mich über meine wiedergewonnene Freiheit“, sagt ein 57-jähriger Alkoholkranker, der nach Entzug, Therapie und MPU-Coaching in der Diakonie-Suchtberatung in Georgsmarienhütte jetzt seit längerem abstinent lebt und seinen Führerschein wiedererlangt hat.

Er berichtet von seinem Schicksal, um Menschen in ähnlicher Problemlage Mut zu machen, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Die Vorbereitung zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) wird bei der Diakonie in Kombination mit Suchtberatung oder -therapie angeboten und ist für viele Menschen der erste Schritt in die dauerhafte Abstinenz oder zum kontrollierten Umgang mit Alkohol und Drogen.

Er habe seine Alkoholabhängigkeit eigentlich schon vor Jahren erkannt, aber geglaubt, sie aus eigener Kraft bewältigen zu können, berichtet der Mann. Als seine Frau ihn vor die Wahl stellte „Entweder der Alkohol oder ich“, gelang ihm in einem Urlaub der Entzug. Er habe sich daraufhin sehr stark gefühlt und sogar gemeinsam mit seiner Frau ein Haus gebaut.

Das Leben drehte sich nur noch um die Flasche

Ein paar Jahre später scheiterte die Ehe dennoch. Das Alleinsein habe ihn wieder dem Alkohol in die Arme getrieben, „zunächst aus Trotz, dann, weil die Krankheit stärker war als ich“. Sein Leben drehte sich nur noch um die Flasche. Im Rausch verursachte er 2015 einen Verkehrsunfall, bei dem es glücklicherweise beim Sachschaden blieb. Aber der Führerschein war weg, er hatte 2,5 Promille Alkohol im Blut gehabt. Nun kam zu der Perspektivlosigkeit nach der Trennung von seiner Frau auch noch der Verzicht auf sein geliebtes Motorrad hinzu: „Ich stand vor einem Scherbenhaufen.“

Zugleich sei dieser Tiefpunkt aber auch sein Glück gewesen, denn nun begann die Phase professioneller Hilfe. Freunde sorgten dafür, dass er eine dreiwöchige Entgiftung im Ameos-Klinikum antrat. „Das war nicht schön“, erinnert er sich, „aber das Elend der anderen Suchtkranken zu sehen, hat mir die Augen geöffnet.“ Und: Er wollte seinen Führerschein wiederhaben. Er wandte sich an die MPU-Vorbereitung der Diakonie in Georgsmarienhütte und bekam recht schnell einen Termin.

Wöchentlich Gruppentherapie, alle 14 Tage Einzeltherapie

Neben der Vorbereitung auf die MPU zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis wurde eine ambulante, berufsbegleitende Suchttherapie vereinbart – wöchentlich Gruppentherapie, alle 14 Tage Einzeltherapie, Termine zur Urinkontrolle und MPU-Coaching. Ein strammes Programm. Um die Termine wahrzunehmen, musste der Mann aus dem Südkreis genau planen, wie er die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Bekannten oder Rad bewältigte. „Wer das hinbekommt, zeigt schon ein gehöriges Stück Selbstdisziplin“, kommentiert Therapeutin Beate Plöger.

Aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit und in Relation zu dem gemessenen Promille-Wert beim Unfallgeschehen wurde dem Klienten eine 13-monatige Phase nachgewiesener Abstinenz abverlangt. Kurzfristig anberaumte Urinproben standen jederzeit ins Haus. Aber auch diese Hürde nahm der 57-Jährige. Und fiel es ihm anfangs schwer, in der Gruppe über seine Probleme zu sprechen, sich zu öffnen, so zieht er nun abschließend das Resümee: „Es war eine super Betreuung“.

„Ich brauche Hilfe“

Der entscheidende Schritt sei gewesen, sich einzugestehen: „Ich brauche Hilfe“. Die Therapie habe schnell eine Art „Schutzmantel“ um ihn gelegt. Gegenüber anderen habe er sich früher wegen seiner Alkoholkrankheit geschämt und sei dann oft sehr defensiv aufgetreten. Dank der Therapie habe er aber sein Selbstbewusstsein wiedererlangt und sei anderen gegenüber wieder „klar und konfliktfähig“. Nun fühlt er sich frei, hat Ziele und lebt, um zu leben. Und weil er weiß, dass die Alkoholsucht – der „Tiger“, wie er sagt – nur schläft, werde er einen Rückfall auf gar keinen Fall riskieren.

Besonders gut gefiel ihm, dass die Vorbereitung auf die Eignungsprüfung in die Therapie integriert war – alles unter einem Dach. „Weil der Klient gleich nach Entzug der Fahrerlaubnis zu uns gekommen war, liefen die Zeit des Fahrverbots und der Abstinenzvertrag parallel und er hat keine Zeit verloren“, macht MPU-Berater Frank Stier auf ein häufig nicht bedachtes Problem aufmerksam.

Einstellungen ändern

Viele Menschen, die ihren Führerschein abgeben mussten, fürchten sich vor der MPU. Wer jedoch glaubhaft darstellen kann, dass er seinen Alkohol- oder Drogenkonsum reflektiert und alte Einstellungen geändert hat, der kann, so die Therapeuten, zuversichtlich die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis erwarten. Das Coaching bei der Diakonie ist im Rahmen einer Suchttherapie kostenlos, allerdings müssen die Kosten für Urinanalysen und MPU selbst getragen werden.

Frank Stier weist darauf hin, dass es neben der Therapie für die Suchtkranken auch Gruppen für betroffene Angehörige oder Kollegen gibt und dass die Diakonie stets im Rahmen der Schweigepflicht arbeitet.

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