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Geld verspielen oder schreddern – das bleibt sich gleich

01.10.2019
500-Euro-Scheine schreddern? Kommt für Ulrich Krause-Heiber nicht wirklich in Frage. Er lobt das Informations- und Hilfsangebot der Diakonie-Suchtberatungsstelle in Georgsmarienhütte, in der Nicole Müller und Leonie Fehlenberg tätig sind. Foto: Petra Pieper

500-Euro-Scheine schreddern? Kommt für Ulrich Krause-Heiber nicht wirklich in Frage. Er lobt das Informations- und Hilfsangebot der Diakonie-Suchtberatungsstelle in Georgsmarienhütte, in der Nicole Müller und Leonie Fehlenberg tätig sind. Foto: Petra Pieper

Von Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Unter dem Motto „Schreddern wäre eine Alternative“ machte die Suchtberatungsstelle Georgsmarienhütte der Diakonie Osnabrück am bundesweiten Aktionstag zur Glücksspielsucht auf dem Oeseder Wochenmarkt auf die Problematik des Glücksspiels sowie auf Präventions- und Hilfsangebote aufmerksam.

Gewinnen fühlt sich gut an. Für manche Menschen ist das Spielen um Geld eine Form der Unterhaltung, der Freizeitbeschäftigung. Doch für viele ist es fatal, wenn sie beim Glücksspiel gewinnen. Auf der Suche nach dem erneuten Kick, den sie in der Glückssträhne erlebt haben, verzocken Glücksspielsüchtige in Spielotheken und neuerdings immer öfter im Internet viel Geld, oft zu viel Geld. Sie verlieren die Kontrolle und geraten in eine Abwärtsspirale, die sie in finanzielle Bedrängnis, Arbeitslosigkeit und sogar Kriminalität führen kann.

„Gefährdet sind insbesondere junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren“, berichtet Nicole Müller, Suchttherapeutin der Georgsmarienhütter Beratungsstelle. Oft gebe es emotionale Gründe wie Trauer, Angst oder auch Langeweile, die mit der Hinwendung zum Glücksspiel überdeckt würden, weiß sie aus Erfahrung. Andere glauben, die Automaten „überlisten“ zu können oder überschätzen ihre Sachkompetenz bei Sportwetten. In einer ambulanten Therapiegruppe können Betroffene herausfinden, was die tieferen Ursachen ihrer Sucht sind, und dann gezielt etwas tun. Spielsucht ist als Krankheit anerkannt und es gibt ambulante und stationäre Therapien. Aber nur 20 Prozent der Hilfebedürftigen suchen tatsächlich Hilfe.

Mit der Schredder-Aktion am Rande des Wochenmarkts machen Müller und Praktikantin Leonie Fehlenberg Passanten auf bestehende Hilfsangebote aufmerksam. „Ich war in den letzten 20 Jahren zweimal in einer Spielbank, habe mir aber jedes Mal ein Limit gesetzt, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen“, erzählt eine Frau. Sie sei besonders vorsichtig gewesen, weil es in ihrer Familie schon Fälle von Suchterkrankungen gegeben habe. Tatsächlich, so Müller, habe derjenige ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko süchtig zu werden, in dessen Vorgeneration Sucht aufgetreten ist.

Es sei wichtig, dass Angehörige oder Freunde Betroffene auf ihre Sucht ansprechen und sie zur Suchtberatung schicken oder dorthin begleiten, findet Ulrich Krause-Heiber. Aus Scham würden viele ihre Sucht zu verheimlichen suchen. „Deshalb ist es so wichtig, dass Sie hier aufklären“, lobt er die beiden Diakonie-Mitarbeiterinnen und schreddert auch gern publikumswirksam die 500-Euro-Duplikate. „Daddeln im Internet geht in die gleiche Richtung wie Glücksspiel“, ist die Erfahrung einer Mutter von zwei jugendlichen Söhnen. Die Aufforderung bei „Ballerspielen“ erst in eine bessere Ausrüstung zu investieren, bevor der Spieler die nächsthöhere Runde erreichen kann, sei doch auch nichts anderes als Glücksspiel. Neben finanziellen Problemen würde den Spielern zudem Vereinsamung drohen.

In Niedersachsen gelten über 50.000 Menschen als glücksspielsüchtig oder -gefährdet, jeden Monat werden über 44 Millionen Euro verspielt, das entspricht 1,5 Millionen pro Tag. Dem stehen 24 Suchtberatungsstellen gegenüber, eine davon Am Kasinopark 13 in Georgsmarienhütte, weitere in Melle, Bramsche und Osnabrück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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