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Unter ärztlicher Aufsicht Heroin spritzen - Braucht Osnabrück einen Drogenkonsumraum?

16.02.2019
Sterile Spritzen erhalten Drogenabhängige im Osnabrücker Café Connection. Konsumieren dürfen sie dort jedoch nicht. Archivfoto: Gert Westdörp

Sterile Spritzen erhalten Drogenabhängige im Osnabrücker Café Connection. Konsumieren dürfen sie dort jedoch nicht. Archivfoto: Gert Westdörp

Archivfoto: Gert Westdörp

Archivfoto: Gert Westdörp

Von Sandra Dorn

Osnabrück. Am 16. Februar vor 25 Jahren wurde in Hamburg der erste Konsumraum in Deutschland eröffnet. In Osnabrück gibt es keinen. Doch der Bedarf sei da, sagen die, die eng mit Drogenabhängigen zusammenarbeiten.

Unter ärztlicher Aufsicht Heroin spritzen: Das ist schwer Drogenabhängigen in Osnabrück nicht möglich. In den Jahren 2000 und 2001 diskutierten die hiesigen Ratspolitiker ausgiebig über das Für und Wider. Letztlich scheiterte die Einrichtung eines sogenannten Druckraumes an prognostizierten jährlichen Kosten von mehr als 400.000 D-Mark für die Stadt, weil die gesetzlichen Auflagen sehr hoch sind. In Münster entschied man sich zu jener Zeit anders, und auch in Bielefeld gibt es einen Konsumraum. Sie bieten den Abhängigen hygienische Bedingungen und außerdem die Gelegenheit, mit Sozialarbeitern ins Gespräch zu kommen.

In Osnabrück war Anfang der 2000er-Jahre schon ein Standort ausgeguckt: Der Konsumraum hätte über dem Café Connection in der Hermannstraße 1 eingerichtet werden können, dafür hatte die Diakonie bereits ein Konzept entwickelt – doch zur Umsetzung kam es nie.

"Pro Tag würden 30 bis 50 Personen darauf zurückgreifen", schätzt heute Oliver Moch, der das Café Connection leitet. Das Café wird von der Diakonie betrieben und größtenteils von der Stadt finanziert. Drogenabhängige erhalten dort seit 1993 für wenig Geld Kaffee und ein Frühstück, können Wäsche waschen, gebrauchte Spritzen gegen sterile tauschen, sich aufwärmen und mit Sozialarbeitern ins Gespräch kommen.

Ein Druckraum werde bei den Streetworkern der Diakonie immer wieder nachgefragt, sagt Moch. "Es wäre eine gute und sinnvolle Ergänzung zu unserem Angebot." Das findet auch seine Kollegin Ulrike Sensse, die die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention bei der Diakonie in Osnabrück leitet. Sie schätzt die Zahl der hart Drogenabhängigen in Osnabrück auf 600. Sensse räumt aber auch ein: "Es ist schon ein Klagen auf hohem Niveau." Schließlich gebe es bereits Streetworker und das Café Connection.

Caritas-Berater: Andere Angebote wichtiger

"Es gibt in Osnabrück ein ganz tolles System der Drogenhilfe", findet auch Jens Kirchhoff, der in der Suchtberatungsstelle der Caritas Drogenabhängige berät. "Ein Konsumraum wäre für einzelne Klienten sicherlich sinnvoll, aber auf der Prioritätenliste steht er nicht auf Platz eins." 1200 bis 1500 Patienten lassen sich laut Kirchhoff jährlich in der Caritas-Suchtambulanz beraten – und die hart Drogenabhängigen seien nicht die größte Gruppe. Alkohol, Cannabis und Amphetamine bilden die Schwerpunkte in den Beratungen, hinzu kommen immer mehr Fälle von Internet- oder Computerspielsucht. Da seien Angebote zur Prävention wichtig.

Was Osnabrück aus seiner Sicht ebenfalls dringender bräuchte als einen Konsumraum seien Wohnangebote für ältere opiatabhängige Patienten, betont Jens Kirchhoff. "Wohnungen sind ganz schwer zu kriegen und auch Vereinsamung ist ein Problem."

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